FSME-Virus, ein Flavivirus (in derselben Gruppe befinden sich auch Viren wie Gelbfieber, Japan B Encephalitis und Dengue).
Infektionsquelle:
Das Erregerreservoir sind
Säugetiere, wie z.B. Rinder. In seltenen Fällen auch nichtpasteurisierte
Milchprodukte. FSME wird nicht von Mensch zu Mensch übertragen.
Übertragung:
Durch Zecken; den so
genannten Holzbock. Die Hauptaktivität der Zecken liegt im Frühjahr (Mai/Juni)
und im Spätsommer (September), die Übertragung findet allerdings während der
ganzen warmen Jahreszeit bis spät in den November statt. FSME-Viren kommen nur
bis zu Höhenlagen vor, in denen die mittlere Jahrestemperatur über acht Grad
liegt; d. h. im Bergland über 1.000 bis 1.400 m gibt es keine FSME. Die
Wahrscheinlichkeit, nach dem Biss einer infizierten Zecke zu erkranken, ist
hoch, allerdings ist selbst in Gebieten mit hoher Durchseuchung selten mehr als
eine von 200 Zecken infiziert.
Inkubationszeit:
2 bis 28 Tage.
Krankheitsbild:
Nur bei 30 bis 40
Prozent der Infizierten kommt es tatsächlich zur Erkrankung, die typischerweise
in zwei Phasen verläuft:
1. Eine Grippe-ähnliche
Phase, gern als Sommergrippe bezeichnet. Bei fast einem Drittel der Infizierten
kommt nach dieser etwa vier- bis sechstägigen Phase es zur
2. Phase:
Organbeteiligung: hier ist die wichtigste Verlaufsart der
„Zeckenmeningitis“, also eine Beteiligung des Hirns und der Gehirnhäute,
manchmal auch des Rückenmarkes. Es kann aber auch der Herzmuskel oder die Leber
mitbetroffen sein. Die Zeckenmeningitis ist eine ausgesprochen gefährliche
Erkrankung: Ein bis zwei Prozent der Patienten sterben, drei bis elf Prozent
haben bleibende Schäden wie Lähmungen, und die meisten Patienten haben eine
lange Rekonvaleszenz mit häufigen Kopfschmerzen oder Migräneanfällen. Die
Schwere des klinischen Bildes ist altersabhängig: Kinder und Jugendliche
erkranken im Allgemeinen nicht so schwer, mit zunehmendem Lebensalter steigt die
Komplikationsrate und auch die Wahrscheinlichkeit, direkt an der Krankheit zu
sterben.
Diagnose:
Die Diagnose wird durch
den Nachweis der Antikörper im Blut, also serologisch, gestellt.
Behandlung:
Es existiert keine
spezifische Behandlung, wie bei den meisten anderen Viruskrankheiten.
Bedeutung und
Vorkommen:
In Österreich
gibt es kein Bundesland, das FSME-frei wäre, allerdings besteht ein deutliches
West-Ost Gefälle, was sich aber vor allem aus den geografischen Besonderheiten
(viel Bergland im Westen) erklären lässt. Die Talgebiete Tirols z. B. haben
durchaus ein beachtliches FSME-Risiko (beispielsweise Inntal, im Jahr 2005 19 Fälle!).
Die Hauptverbreitungsgebiete sind die ländlichen Regionen der Steiermark, Kärntens,
Niederösterreichs, Oberösterreichs, sowie auch Salzburg, das Burgenland, ja
sogar der Stadtrand Wiens.
Außerhalb Österreichs
gibt es die FSME in weiten Teilen Bayerns, aber auch schon in einigen anderen
deutschen Bundesländern. Tschechien, die Slowakei, Slowenien, die baltischen
Staaten, Russland, Polen u. a. sind ebenfalls FSME-Gebiete. FSME ist die
wichtigste virale Gehirnhautentzünduung des europäischen Raumes. Es scheint,
dass in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme der Erkrankungen zu
verzeichnen ist, nur in Österreich sind die Erkrankungszahlen rückläufig, was
jedoch dadurch begründet wird, dass etwa vier Fünftel der Bevölkerung geimpft
sind. Derzeit werden in Österreich zwischen 50 und 90 FSME-Fälle pro Jahr
beobachtet, vor der Impfära waren es um 600-800(!)
pro Jahr. Die Einführung der FSME-Impfung hat vor allem in den Altersgruppen
unter 50 Jahre die Erkrankung um fast 95% zurückgedrängt. Sorgenkinder bleiben
die über 50-Jährigen. Nach den epidemiologischen Aufzeichnungen der letzten 25
Jahre hat die Zahl der Erkrankungen pro Jahr in der Altersgruppe der über 50-Jährigen
praktisch nicht abgenommen (siehe Grafik). Dies ist zusätzlich bedenklich, weil
ältere Personen deutlich schwerer erkranken als junge Menschen und die Impfung
nicht so lange und zuverlässig schützt.
FSME-Erkrankungsfälle:
Altersverteilung 1971-2002

Übersichtskarte über Verbreitungsgebiete in Österreich:

Detailkarten über das Vorkommen der FSME
in Österreich unter: |
FSME IN EUROPA:

FSME VERBREITUNGSGEBIETE GLOBAL:

östliche Subtypen
westlicher Subtyp
beide
Typen
COPYRIGHT: Dr.D.Gniel, Chiron
a)„FSME
Immun“ und „FSME Immun Junior“ der Firma Baxter (früher Immuno):
Es
handelt sich hierbei um eine Weiterentwicklung des früheren „FSME Immun
Inject“, das bis zum Jahr 1999 im Handel war und bereits in der Saison 2001
verwendet wurde. Dieser Impfstoff enthält als einzigen Zusatzstoff –das
medizinisch unbedenkliche - Humanalbumin (als Stabilisator) und enthält in der
Erwachsenendosis ca. 2,4mcg FSME-Virus Antigen, in der Kinderdosis die Hälfte.
Der Kinderimpfstoff entspricht vollkommen einer halbierten Dosis eines
Erwachsenenimpfstoffes.
Generell
ist dieser Impfstoff sehr gut wirksam, es gibt kaum „Impfversager“.
Hinsichtlich der Verträglichkeit ist folgendes anzumerken:
Nur
bei der Erstimpfung von Kindern bis zum zwölften Lebensjahr ist damit zu
rechnen, dass es kurz nach der Impfung (etwa 12 bis 48 Stunden) zu kurz
dauerndem, aber mitunter auch hohem Fieber kommen kann. Je kleiner das Kind ist,
desto höher ist diese Wahrscheinlichkeit. Die Wahrscheinlichkeit für Fieber in
der Gruppe der ein- bis dreijährigen liegt insgesamt bei über 25 Prozent,
jedoch meist nur um 38 Grad rectal. Diese Fieberreaktionen sind praktisch immer
harmlos und mit Fieberzäpfchen rasch unter Kontrolle zu bringen. Fieberkrämpfe
werden nur sehr selten beobachtet.
b)
„Encepur Erwachsene“ und „Encepur Kinder“ der Firma Chiron-Behring:
Bereits
in den letzten Jahren war Encepur für Erwachsene zugelassen. Dieser Impfstoff
enthielt aber früher Polygelin als Stabilisator, eine Substanz, die Allergien
auslösen kann. Die Generation der Impfstoffe 2002 enthält als Stabilisator
kein Polygelin, sondern völlig harmlose Saccharose (Zucker) in geringer Menge.
Auch
hier ist der Kinderimpfstoff lediglich ein „halber“ Erwachsenenimpfstoff:
Der Impfstoff für Erwachsene enthält ca. 1,5 mcg FSME-Virus Antigen, der
Kinderimpfstoff 0,75mcg.
Auch
dieser Impfstoff ist als sehr gut wirksam (umfangreiche Daten über das
„Schnellimmunisierungsschema“) einzustufen, es gibt keine Berichte über
Durchbrüche. Es liegen für diesen Impfstoff Verträglichkeitsdaten von mehr
als 6.600 Versuchspersonen aus kontrollierten klinischen Studien vor, der
Impfstoff ist also ausgezeichnet dokumentiert und seine Verträglichkeit stellt
sich folgendermaßen dar:
Auch
hier sind fieberhafte Reaktionen (über 38 Grad rectal) im nennenswerten Ausmaß
nur nach der Erstimpfung von (Klein-)Kindern zu beobachten, allerdings in nur
etwa 13 Prozent der Erstgeimpften. Dies liegt daran, dass in diesem Impfstoff
die Antigenmenge geringer ist. Bei Erwachsenen und bei Wiederimpfungen sind
fieberhafte Reaktionen eine Seltenheit. Fieberkrämpfe wurden nicht beobachtet.
Beide
Impfstoffe wurden in der Saison 2002 einer gezielten Anwendungsüberwachung
unterzogen. Es wurden keine Hinweise auf außergewöhnliche Impfreaktionen oder
Impfnebenwirkungen gefunden, beide Impfstoffe erwiesen sich als hervorragend
verträglich.
Impfung:
Reguläres
Impfschema (gilt für beide Impfstoffe):
Es
werden zunächst zwei Impfungen im Abstand von 2 bis 4 Wochen durchgeführt, die
dritte Impfung erfolgt nach 9 bis 12 Monaten. Danach soll die erste Auffrischung
nach 3 Jahren, die weiteren Auffrsichungen nach 5 Jahren durchgeführt werden.
Personen über 60 werden immer nach 3 Jahren aufgefrischt.
Ein
„Schnellimmunisierungsschema“ mit Impfungen an den Tagen 0–7–21 und dann
nach 12 bis 18 Monaten ist für Encepur (Kinder und Erwachsene) bereits
zugelassen. Hier gilt die Impfung nach 12-18 Monaten als erste Auffrischung
(entsprechend der ersten Auffrischung nach 3 Jahren im konventionellen Schema).
Für FSME Immun existiert ein Schnellschema 0-14, wobei dann im normalen
Intervall aufgefrischt wird.
Kinder
unter einem Jahr sollten nur bei zwingender Indikation geimpft werden, wobei als
unterste mögliche Altersgrenze derzeit sechs Monate gelten.
Da
sehr oft das reguläre Impfschema nicht genau eingehalten wird, sei angegeben,
welche maximalen Intervalle zwischen den einzelnen Impfungen liegen können,
ohne dass man wieder „von vorne“ beginnen muss:
Abstand
1. zu 2. Impfung:
maximal 1 Jahr*)
Abstand
2. zu 3. Impfung:
maximal 10Jahre*)
Abstand
zu Auffrischungen:
10 Jahre sicher, vermutlich
unbegrenzt*)
*)
im Falle eines Abstandes von mehr Jahren ist aus Sicherheitsgründen eine
serologische Impferfolgskontrolle NACH der Auffrischung ratsam.
Achtung:
Diese Abstände beziehen sich auf das immunologische Gedächtnis unseres
Organismus und sind nicht mit der Schutzdauer (s. u.) zu verwechseln!
Schutzrate:
Nach
vollständiger Grundimmunisierung ist bei 99 Prozent der Geimpften mit vollständigem
Schutz zu rechnen. Auch nur zwei Impfungen im regulären Abstand schützen schon
zu 90 Prozent, allerdings für nur ein Jahr. Impfdurchbrüche bei regulär
geimpften Personen kommen sehr selten vor, sind aber möglich. Fast jedes Jahr
werden bis zu 3 derartige Fälle beobachtet.
Anwendungshinweise:
Derzeit sind Impfstoffe für Kinder ab dem vollendeten 1. Lebensjahr
bis zum vollendeten 12. bzw. 16. Lebensjahr und solche für Kinder ab dem
vollendeten 12. bzw. 16. Lebensjahr und Erwachsene zugelassen.
Die Impfung kann bei strenger Risiko-Nutzen-Abwägung im Einzelfall
auch schon ab dem vollendeten 6. Lebensmonat erwogen werden, wenn das Kind einer
starken Infektionsgefahr ausgesetzt ist. In dieser Altersgruppe kann bei hohem mütterlichen
Antikörperspiegel die Immunantwort geringer ausfallen.
1. Auffrischung: nach 3 Jahren, danach alle 5 Jahre, ab dem 60.
Lebensjahr alle 3 Jahre bzw. nach Titerbestimmung.
Die
entsprechenden Impfstoffe (beider Firmen) gegen FSME können austauschbar
eingesetzt werden, allerdings wird dringend empfohlen, die ersten beiden
Teilimpfungen der Grundimmunisierung mit dem gleichen Produkt durchzuführen, da
bei einem frühzeitigen Präparatwechsel nur wenige Daten zur Austauschbarkeit
existieren.
Somit
sei folgendes Vorgehen empfohlen: Wenn jemand sich nicht routinemäßig alle fünf
(drei) Jahre impfen lassen möchte, so steht ihm die Möglichkeit offen, durch
eine Blutabnahme (z. B. im Zentrum für Reisemedizin) seinen persönlichen
Immunstatus betreffend FSME feststellen zu lassen. Nach dem Ergebnis kann dann
festgelegt werden, wann die nächste Auffrischung ungefähr nötig ist.
Nebenwirkungen:
Leichte
bis mittelschwere Reaktion wie Rötung oder Schwellung an der Impfstelle, bei
einigen Prozent der Impflinge auch Allgemeinbeschwerden wie Kopfschmerzen,
leichtes Fieber, sowie Muskel- und Gelenksbeschwerden innerhalb der ersten
beiden Tage nach der Impfung. Die Beschwerden halten wenige Stunden bis maximal
einige Tage an und sind praktisch vernachlässigbar.
Details
zum Auftreten von Fieber nach FSME-Impfung siehe unter „Impfstoffe“.
Echte
Impfkomplikationen sind bei der FSME-Impfung eine ausgesprochene Rarität, und
es wird bis heute angezweifelt, ob die geschilderten Beschwerden tatsächlich
die Impfung als Ursache haben: starke Kopfschmerzen, lokale „Nervenentzündungen“
oder ein so genanntes „Guillain-Barré“-Syndrom, ebenfalls eine spezielle
Form der Nervenentzündung.
Eine
FSME-Impfung kann niemals eine FSME-Erkrankung auslösen!
Besondere
Hinweise:
FSME Impfung nach erfolgtem Zeckenstich in Abhängigkeit
von der Impfanamnese (nach H.Holzmann, Institut für Virologie)
Impfanamnese:
Empfohlene Vorgangsweise:
Keine FSME Impfung:
Impfung 4 Wochen nach Zeckenstich
1. Teilimpfung:
≤
14 Tage nach 1.
Teilimpfung:
2.
Teilimpfung 4 Wochen nach Zeckenstich
ab dem 15. Tag bis 1 Jahr
bis 48 Stunden nach Zeckenstich: 2. Teilimpfung
> 48 Stunden nach Zeckenstich:
2. Teilimpfung 4 Wochen nach Zeckenstich
> 1 Jahr:
bis 48 Stunden nach Zeckenstich: Impfung*
> 48 Stunden nach Zeckenstich:
Impfung 4 Wochen nach Zeckenstich*
Nach 2 oder mehr Teilimpfungen:
Impfung wenn nach Impfschema fällig oder sogar überfällig**
Die
postexpositionelle FSME-Prophylaxe (Versorgung nach möglicherweise infektiösem
Zeckenstich) ist Arztsache – bitte nehmen Sie in solchen Fällen unbedingt
Kontakt mit Ihrem Arzt auf, vor allem dann, wenn Sie ungeimpft sind.
Aber
eines wird aus der o.a. Tabelle klar: Wenn Sie noch nie gegen FSME geimpft
wurden und einen Zeckenstich erleiden dann haben Sie schlechte Karten!
|