Haemophilus Influenzae B 


 
 

 

Erreger:

Hämophilus influenzae B, Stäbchenbakterien. 1889–1892 während einer Grippeepidemie entdeckt und als Erreger der Influenza (Virusgrippe) verdächtigt, deshalb der Name.

Infektionsquelle:

Menschen, die das Bakterium tragen. Als Keimträger sind ungefähr zwei bis fünf Prozent der Ungeimpften zu betrachten.  

Übertragung:

Tröpfcheninfektion, in der überwiegenden Zahl der Fälle von gesunden Keimträgern.

Das bedeutet einerseits, dass bei weitem nicht jeder, der das Bakterium bekommt, auch krank wird, andererseits, dass man sich allein durch den vorsichtigen Umgang mit Kranken sicherlich nicht ausreichend schützen kann.  

Inkubationszeit:

Ist wegen der unterschiedlichen Krankheitsbilder und Infektionswege sehr variabel, die Dauer der Ansteckungsfähigkeit ist unbekannt.

Krankheitsbilder:

Gefährdet sind praktisch nur Kinder unter fünf Jahren, in höherem Alter kommt es so gut wie nie zu schweren Infektionen (außer immungeschwächte Personen).

Spezielle Manifestationsformen:

Meningitis (Gehirnhautentzündung), Epiglottitis (Kehldeckelentzündung), Otitis media (Mittelohrentzündung), Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Pneumonie (Lungenentzündung), Septische Arthritis (Gelenksentzündung), Osteomyelitis (Knochenmarksentzündung und -eiterung), Cellulitis (Unterhautgewebsentzündung), Pericarditis (Herzbeutelentzündung) und andere.

Meningitis:

Die Gehirnhautentzündung ist wahrscheinlich die gefürchtetste Art der invasiven Haemophilusinfektion, die ein außerordentlich schweres und rasch fortschreitendes Krankheitsbild darstellt und unbehandelt in fast 100 Prozent der Fälle tödlich endet. Trotz Behandlung sterben 5% der Kinder und es bleibt in 25 Prozent ein bleibender Schaden (Schwerhörigkeit, psychomotorische Behinderung). Gerade hier ist der Haemophilus bei Kindern unter fünf Jahren der häufigste bakterielle Erreger.

Die Behandlung erfolgt intravenös antibiotisch und mit Dexamethason (Kortison).

Epiglottitis:

Eine andere häufig tödlich (5%) endende Infektion ist die des Kehldeckels, die unverzüglich intensivmedizinische Betreuung in Form von Intubation (Einführen eines Schlauches in die Luftröhre) erfordert, da die Eigenatmung durch Zuschwellen des Kehlkopfeinganges absolut behindert wird (Ersticken). Auch diese Krankheit ist seit Einführung der Impfung sehr selten geworden (wird praktisch nur durch H. influenzae hervorgerufen).

Otitis media:

Die Mittelohrentzündung führt bei entsprechender antibiotischer Behandlung selten zu Komplikationen, ebenso die Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung), wird außerdem häufig auch durch andere Bakterien verursacht.

Haemophilus-Pneumonie:

Auch die Lungenentzündung muss man mit Antibiotika behandeln, was auch meistens sehr gut funktioniert und zur folgenlosen Ausheilung führt.

Septische Arthritis:

Gelenksentzündung meist eines großen Gelenks (Knie, Hüfte, Ellbogen, Fuß), Behandlung antibiotisch i. v.

Osteomyelitis:

Knochenmarksentzündung, Behandlung antibiotisch i. v.

Cellulitis:

Entzündung der tieferen Hautschichten, die im Kleinkindesalter häufig von Haemophilus influenzae verursacht wird.

Pericarditis:

Entzündung des Herzbeutels, eine seltene, aber sehr schwere Erkrankung, bei der in ca. 15% der Fälle Haemophilus influenzae die Ursache ist.

Diagnose:

Aus den Krankheitsbildern bzw. durch Erregernachweis.

Behandlung:

Antibiotika (Ampicillin, Cephalosporine), und je nach Krankheitsbild zusätzliche unterstützende Therapie.

Epidemiologie und Bedeutung:

Die Häufigkeit einer invasiven Erkrankung durch Haemophilus war vor Einführung der Impfung 1 von 200 Kindern zwischen 0 und 5 Jahren Alter. Die Erkrankungen durch Haemophilus influenzae gehören zu den schwersten Infektionen des Kindesalters und 50% aller Gehirnahautentzündungen des Kindesalters waren auf HiB zurückzuführen.

Schwere Erkrankung erfolgt meist zwischen sechs Monaten und einem Jahr, danach nimmt sowohl die Häufigkeit als auch die Erkrankungsschwere progredient bis zum 5.Lebensjahr ab, danach treten Erkrankungen eigentlich fast ausschließlich bei Risikopersonen mit gestörter Immunabwehr auf.

Es hat sich gezeigt, dass die Häufigkeit der Haemophilus B-Meningitis durch Durchimpfung der Kinder auf ein Hundertstel (!) reduziert werden kann. Auch die für Kinder quälende und akut lebensgefährliche Kehldeckelentzündung ist nach Einführung der Impfung äußerst selten geworden.

Grundsätzlich ist der Haemophilus influenzae und damit die entsprechenden Krankheitsbilder gut antibiotisch behandelbar (Ampicillin, Cephalosporine), aber es gibt akute Krankheitsbilder, die beim Erkennen schon in voller Ausprägung vorhanden sind, und wesentlich mehr Aufwand als nur antibiotische Behandlung benötigen, außerdem dann bereits in einem Stadium sind, wo Komplikationen schon eingetreten sind, beziehungsweise nicht mehr sicher verhindert werden können.

Impfung:

Geschichte: Der wichtigste Pathogenitätsfaktor der Haemophilusarten ist die Polysaccharidkapsel, ohne die das Immunsystem leicht mit den entsprechenden Bakterien fertig würde. Man hat auch entdeckt, dass das Immunsystem gegen das Polyribosylribitolphosphat (PRP) aus dieser Kapsel Antikörper bildet. 1985 ist es gelungen, dieses Polysaccharid als Impfstoff herzustellen.

Dieser erste Impfstoff wirkte allerdings nur bei Kindern über zwei Jahren gut, da das unreife Immunsystem auf Polysaccharide nicht genügend reagiert. Später ist es gelungen, das PRP an Proteine (Tetanustoxoid, Diphtherietoxoid, äußeres Membranprotein) zu binden, was den Impferfolg bei Säuglingen dramatisch verbessert hat, da es den Typ der zugehörigen Immunantwort (nun T-zellabhängige Antwort) verändert hat.

Die Impfung wurde in Österreich 1992 eingeführt und ist seither im Impfplan.

 

Impfstoffe:

IMPFSTOFF

PRODUKTNAME und HERSTELLER

KINDERIMPFSTOFFE

Hib (Polysaccharid, konjugiert, TOT)

ActHIB (SPMSD)

Hib/Hep B

Procomvax (SPMSD)

Di/Tet/aP/Hib/Polio/Hep.B

Hexavac (SPMSD) dzt. nicht im Handel

Infanrix hexa (GSK)

ERWACHSENENIMPFSTOFFE

Hib

ActHIB (SPMSD)

 

Applikationsart:

Intramuskulär, bezüglich Ort siehe allgemeiner Teil.

 

Impfschema:

Die Hämophilusimpfung ist in den Kombinations-Kinderimpfstoffen enthalten. Das Impfschema ergibt sich daher aus dem Anwendungsschema dieser Kombinationsimpfstoffe:

 

 

 

3. Monat

5. Monat

2. Lebensjahr

Diphtherie (D)

Tetanus

Pertussis

Poliomyelitis

Haemophilus infl. B

Hepatitis B

 

1.

6-fach

Impfung

 

2.

6-fach

Impfung

 

4.

6-fach

Impfung

 

 

 

Impfindikation:

Alle Kinder bis zum 5. Lebensjahr, danach: Risikopersonen:

§         Angeborene oder erworbene Immundefekte wie z.B. Hypogammaglobulinämie u.ä., funktionelle oder anatomische Asplenie,

§         Kleinkinder mit Cochlea-Implantat oder Liquorfistel

 

Schutzdauer:

Im Kleinkindesalter nach komplettierter Impfserie 3 bis 5 Jahre. Wird im Säuglingsalter (ab dem 2. Lebensmonat) nicht mit der Impfung begonnen, so reicht ab dem 2.Lebensjahr eine einzige HiB Impfung zur Schutzinduktion bis zum 5.Lebensjahr, ab 5 wird nicht mehr routinemäßig geimpft.

Bei Risikopersonen, die in höherem Alter weiterhin gegen HIB geimpft werden, gibt es zuwenig klare Daten über die Dauer des Schutzes, sehr oft wird dieser auch durch die zugrundeliegende Störung der Immunabwehr limitiert. Alle 5 Jahre die Impfung zu wiederholen erscheint als ein vertretbarer Kompromiss, solange keine eindeutigen Daten vorliegen.

Schutzrate:

Nach den ersten 3 Dosen etwa 95%. Ohne die Auffrischung im 2. Lebensjahr verschwindet dieser Schutz nach englischen Untersuchungen aber rasch. Die Auffrischung schützt dann zuverlässig über die gesamte Zeit bis zum vollendeten fünften Lebensjahr

Eine Impfung erst nach Kontakt mit einer erkrankten Person durchzuführen, dürfte zu spät sein, bei derartiger Gefahr ist eine Antibiotikaprophylaxe durchzuführen.  

Kombinationsmöglichkeiten:

Die Toxoide, an die das PRP konjugiert wird, reichen als Impfung für sich nicht aus, das heißt, man muss Tetanus bzw. Diphtherie gesondert bzw. kombiniert impfen. Es existieren verschiedene Kombinationen: siehe Produktliste.

Nebenwirkungen:

Allgemein sehr gute Verträglichkeit. Schmerzen, Rötung und Verhärtung an der Injektionsstelle können auftreten, selten sind Reizbarkeit, ungewöhnliches Schreien und Fieber bei Geimpften. Alle Nebenwirkungen sind kurzdauernd und mild.

Bei bekannter Unverträglichkeit gegenüber einem der Inhaltsstoffe ist entsprechend auf ein anderes Produkt auszuweichen.

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