Impfreaktionen und Impfnebenwirkungen

 

Laien wie auch so mancher Fachmann stehen Impfungen oft  reserviert gegenüber, weil sie befürchten, dass Impfungen schwerwiegende Nachwirkungen haben und daher der Nutzen, der aus einer solchen Maßnahme resultiert, deutlich unter dem Risiko von Unannehmlichkeiten liegt. Deshalb soll der Bewertung von Impfreaktionen und Impfnebenwirkungen hier relativ breiter Raum gewidmet werden, um einerseits unbegründete Ängste zu zerstreuen, andererseits aber auch klarzumachen, dass Impfungen wie jedes andere Arzneimittel neben der erwünschten Wirkung auch unerwünschte Begleiteffekte haben können. Es wird letztlich auf die Relation dieser beiden Faktoren zueinander ankommen, ob eine Impfung als sinnvoll einzustufen ist oder nicht. Selbstverständlich kann im Einzelfall auch eine Impfung die Ursache für eine Gesundheitsstörung sein, und es gilt der Satz von Gustav Kuschinsky:

 

„Wenn  behauptet  wird, dass  eine  Substanz keine Nebenwirkungen hat, so besteht der dringende Verdacht, dass sie auch keine Hauptwirkung besitzt.“

 

Unverständlich ist nur, warum gerade im Zusammenhang mit Impfungen Nebenwirkungen so emotional beurteilt werden und so viel Unrichtiges behauptet wird. Der geneigte Leser möge sich einmal den Beipackzettel des Aspirin®, ein Arzneimittel, das jeder oft schon in rauen Mengen genommen hat, zu Gemüte führen: Hier stehen Nebenwirkungen aufgelistet, die einem die Haare zu Berge stehen lassen können, aber – sie sind unglaublich selten, und das Präparat hat ein sehr gutes Image, und niemand macht sich darüber ernsthaft Gedanken.

 

Dabei – um beim Beispiel des Aspirin® zu bleiben – handelt es sich hier um eine chemische Substanz, die direkt in den Organismus eingreift. Im Unterschied dazu ist eine Impfung wohl auch im weiteren Sinn eine chemische Substanz, jedoch der im Organismus ausgelöste Effekt ist eigentlich ein biologischer:

Unser Organismus muss sich von der ersten bis zur letzten Minute des Lebens ständig in einer „feindlichen“ Welt behaupten: Wir nehmen potentiell krank machende Keime beim Essen und Trinken zu uns, beim Atmen, beim Geschlechtsverkehr, ja sogar beim Nasenbohren. Unser Organismus ist aber speziell für diese Anforderungen gebaut, ja unser Immunsystem ist deshalb so differenziert und so hochspezialisiert, damit es solchen Herausforderungen gewachsen ist. Das bedeutet: Wenn jemand beim Atmen irgendein Bakterium zu sich nimmt, so können zwei Dinge resultieren: Das Immunsystem ist schneller und killt den Keim, oder – wir werden krank, weil der Keim zunächst listiger ist, und unser Immunsystem muss sich mehr anstrengen.

 

Wenn wir also bei einer Impfung für unseren Organismus fremde Keime aufnehmen, so bedeutet dies für unseren Körper absolut nichts Außergewöhnliches – solche Dinge abwehren ist ja etwas, worauf er gedrillt ist. Entscheidend ist aber, dass bei einer Impfung dem Immunsystem sogar geholfen wird, indem man die Abwehrreaktion unter kontrollierten Bedingungen ablaufen lässt. Dieser Vorgang ist also völlig biologisch und im natürlichen Ablauf des Lebens vorgesehen.

 

Impfungen sind daher so genannte biogene Arzneimittel. Auch für Impfstoffe gilt dasselbe strenge Arzneimittelgesetz wie für alle anderen Medikamente. In mancherlei Hinsicht ist bei Impfstoffen das Arzneimittelgesetz noch strenger als bei Medikamenten: So muss es sich jede produzierende Firma gefallen lassen, dass der Produktionsablauf genau kontrolliert wird, und dass selbst bei einem zugelassenen Präparat die einzelnen Produktionschargen nochmals vor der endgültigen Erlaubnis, diese in den Verkehr zu bringen, geprüft werden (so genannte Chargenprüfung). Dies war nicht immer so, doch garantiert diese Vorgangsweise, dass Fehler bei der Impfstoffherstellung heute praktisch unmöglich sind – und davon profitiert der Konsument.

 

Doch nun zur Verträglichkeit von Impfungen. Zur groben Orientierung und zur Begriffsdefinition von Impfreaktion/Impfkrankheit und Impfschaden sei die auf der nächsten Seite folgende Tabelle in Anlehnung an U. Quast, Impfreaktionen, Hippokrates Verlag, wiedergegeben.

 

Wenn immer man den Verdacht hat, dass eine Impfkomplikation vorliegt, sollte man versuchen, in Zusammenarbeit mit dem Arzt eine schlüssige Antwort auf die folgenden drei Fragen zu finden:

 

·           Ist die Erkrankung im Hinblick auf die aufgetretenen Symptome überhaupt „passend“ zu der verabreichten Impfung?

·           Ist das Intervall zwischen Impfung und Beginn der fraglichen Komplikation schlüssig?

·           Sind andere Krankheiten, die in der Ausprägung ähnlich verlaufen könnten, mit Sicherheit ausgeschlossen?

 

 

Bedauerlicherweise sind es solche Zwischenfälle, die Impfungen in Misskredit bringen, weil einfach nicht systematisch das Ursache-Wirkungsprinzip geklärt wird. Wenn dann eine Zeitung noch entsprechend „schlagzeilt“, dann hat das Image der Impfung irreparablen Schaden, und alle Impflinge sind zutiefst verunsichert.

 

Doch – und das sei nicht in Abrede gestellt – Impfungen können Nebenwirkungen bzw. Reaktionen haben. In der folgenden Tabelle soll dies allgemein unterschieden werden:

 

Reaktion

Häufigkeit

Bemerkung

Beispiele

Impfreaktion,

ev.Impfkrankheit

(harmlose Beschwerden im Rahmen der Immunantwort)

 

 

Im Prozentbereich

 

In klinischen Prüfungen gut erfassbar und quantifizierbar

 

Lokalreaktion an der Injektionsstelle nach TET-Impfung;

Impfmasern

Impfkomplikation:

 

Vorübergehend therapiebedürftig

Bleibende Schäden

 

 

Zehntelpromillebereich

Im Bereich 1:1 Mio

Nur in (sehr) grossen klinischen Prüfungen erfassbar,

gel. nicht erfassbar

Beispiel:

Paresen nach

OPV-Impfung (1:2,5 Mio)

 

 

Und in der folgenden Tabelle sind nun Impfreaktion und Impfnebenwirkung des einzelnen Impfungen beispielhaft zugeordnet:

 

Lebendvakzine

Impfantigen

Zeitpunkt der Impfreaktion

Symptome

OPV

Gelbfieber

MMR

Varicellen

(BCG)

 

Vermehrungsfähiger, lebender attenuierter Erreger

 

Verzögert, je nach Inkubationszeit

 

Entsprechen der „Original-krankheit“, aber stark abgeschwächt

Totimpfstoffe

 

 

 

HAV, RABIES

FSME. IPV,

TET, DI, PERT, MEN,

HB,INFL, HIB, PNEU

Inaktiv.Erreger

 

Toxoide

Einzelne Antigene

 

6-48 Stunden nach der Applikation

 

Lokalreaktion, allgemeines Krankheitsgefühl, Fieber

 

 

Die Weltgesundheitsorganisation unterscheidet vier Kategorien von Erkrankungen nach Impfungen:

 

 

1. Durch Impfungen verursachte unerwünschte Reaktionen

 

Das sind überschießende Reaktionen, die mit der Impfung direkt ursächlich verknüpft sind, über deren Existenz man weiß und deren Auftreten auch in einem möglichen zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung steht.

Beispiele:         

·          Masernimpfung – Impfmasern

·          Tetanus – starke Schwellung und Rötung an der Impfstelle

·          Keuchhusten – kurzzeitiges hohes Fieber

 

 

2. Durch die Impfung ausgelöste unerwünschte Reaktionen

 

Das sind gesundheitliche Probleme, die sich auch bei anderen Gelegenheiten ereignet hätten, bei denen die Impfung jedoch den letzten Anstoß für das Auftreten der Symptome gegeben hat (eine direkte Ursache-Wirkungsbeziehung ist hier oft nur sehr schwer herzustellen).

Beispiel:          

·          Keuchhustenimpfung – hohes Fieber – epileptischer Anfall beim Kind

(Die Epilepsie war vor der Impfung beim Kind „stumm“, durch das mit der Keuchhustenimpfung verbundene mögliche kurzzeitige hohe Fieber, das einen Krampfanfall natürlich begünstigt, ist die Epilepsie plötzlich manifest geworden. Sie wäre aber auch manifest geworden, wenn das Kind aus einem anderen Grund plötzlich hohes Fieber bekommen hätte!)

 

 

3.  Erkrankungen, die durch fehlerhafte Produktion, fehlerhafte Dosierung oder fehlerhafte Anwendung eines Impfstoffes eintreten

 

Während Fehler bei Produktion und Auslieferung der Impfstoffe sehr selten sind – siehe Arzneimittelgesetz – so kann bei der Dosierung oder Anwendung natürlich wie bei jeder medizinischen Maßnahme etwas schiefgehen.

Beispiele:

·          Tetanusimpfung – wurde nicht am Oberarm in den Muskel gegeben, sondern knapp unter die Haut – die Reaktion an der Impfstelle wird dadurch häufig um vieles stärker, und es kann auch Fieber auftreten.

·          Tuberkuloseschutzimpfung – wurde nicht bei der Injektion streng in die obersten Hautschichten gegeben, sondern tiefer – Lymphknotenschwellungen und Lymphknotenabszesse sind dadurch viel häufiger.

 

 

4. Erkrankungen, die rein zufällig mit der Impfung zusammentreffen und dieser irrtümlich ursächlich zugeschrieben werden

 

Diese Fälle sind oft sehr knifflig. Als Beispiel darf das oben angeführte Exempel des Patienten mit der Gehirnhautentzündung gelten.

 

 

Nun zu den einzelnen Impfstoffgruppen und zu den möglichen normalen Reaktionen:

 

a) Lebendimpfstoffe

 

Wie im Kapitel über die Arten von Impfstoffen ausgeführt, werden bei einer Lebendimpfung vermehrungsfähige, aber abgeschwächte Erreger dem Organismus zugeführt. Daher müssen sich diese abgeschwächten Erreger zunächst im Organismus vermehren, bevor überhaupt eine Impfreaktion auftreten kann. Dieser Zeitraum der Erregervermehrung entspricht einer verkürzten Inkubationszeit der eigentlichen Erkrankung. Im Schnitt vergeht also bis zum Auftreten impfassoziierter Nachwirkungen wenigstens eine Woche.

Die Symptome nach Lebendimpfungen entsprechen sehr oft den Symptomen der Erkrankung, wenn auch natürlich nur in sehr stark abgeschwächter Form:

 

Beispiele:

Impfung                                   Auswirkungen

Masernimpfung                          Impfmasern, Fieber

Mumpsimpfung                          leichte Schwellung der Ohrspeicheldrüse, Fieber

Poliomyelitis-Schluck                  leichte Durchfälle, Fieber

Röteln                                      kurz dauernder Hautausschlag, gel. Gelenkschmerzen

Typhus oral                               leichte Durchfälle, Blähungen

Gelbfieber                                 Fieber

Tuberkulose                              Schwellung der regionalen Lymphknoten

 

Dies sind samt und sonders normale Reaktionen, die keinerlei Grund zur Besorgnis geben.

 

Bei Lebendimpfstoffen ist es unwesentlich, ob schon einmal geimpft wurde (Ausnahme: Tuberkuloseschutzimpfung, hier darf niemals ohne vorherigen Test ein zweites Mal geimpft werden!). Wird ein zweites Mal geimpft, und es besteht noch eine Immunität von der ersten Impfung, so passiert schlicht gar nichts: die vorhandenen Abwehrstoffe fangen den Impferreger ab und neutralisieren ihn.

 

 

b) Totimpfstoffe

 

Hier findet ja im Organismus keine weitere Vermehrung der Erreger mehr statt, und die Symptome der natürlichen Erkrankung kommen daher als Impfreaktion nicht in Betracht.

Totimpfstoffe lösen vor allem an der Injektionsstelle Reaktionen aus. Ist diese Reaktion sehr ausgeprägt, so treten gelegentlich auch allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Abgeschlagenheit oder Müdigkeit auf. Sehr oft sind diese Reaktionen nicht auf den Impfstoff selbst, also den abgetöteten Erreger oder Teile des Erregers zurückzuführen, sondern auf andere Inhaltsstoffe dieser Impfstoffe, also quasi die „Zubereitung“ (siehe Reaktionen auf Hilfs- und Inhaltsstoffe). Am ehesten reagiert unser Organismus auf ganze abgetötete Erreger, am wenigsten reagiert er auf hochgereinigte Spaltprodukte eines Erregers. Die Reaktionen treten relativ frühzeitig nach der Impfung auf und zwar in einem Zeitraum von 6 bis 48 Stunden.

 

Diese Impfreaktionen können vor allem bei folgenden Impfstoffen auftreten: Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten (oft mit Fieber), FSME;

seltener bei: Hepatitis A, Hepatitis B, Polio-Stichimpfung, Tollwut, Grippe;

sehr selten bei: Japan B Encephalitis, Pneumokokken, Meningokokken.

 

In sehr seltenen Fällen kann es etwa 14 Tage nach solchen Impfungen zu so genannten Immunkomplexerkrankungen kommen (Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, Gelenkschmerzen u. a.); dies geschieht in erster Linie bei Patienten, die zu oft gegen bestimmte Erkrankungen immunisiert wurden (typisches Beispiel: Tetanusimpfung bei jeder Verletzung, weil die Impfkarten immer wieder verloren wurden) und bei denen schon die Impfungen zuvor schlechter (mit deutlichen Zeichen einer Lokalreaktion) vertragen wurden.

 

Bei Personen, die ihre Impfdokumentation verloren haben, ist es in vielen Fällen sinnvoller, zunächst mittels Blutuntersuchung festzustellen, ob nicht ohnedies eine ausreichende Immunität vorhanden ist, anstelle „blind“ zu impfen.

 

 

c) Reaktionen auf Impfstoff-Hilfsstoffe und/oder Rückstände aus der Produktion

 

In Impfstoffen können neben den eigentlichen, für die Immunantwort nötigen so genannten Antigenen auch noch  diverse Zusatzstoffe enthalten sein. Diese sind entweder im Herstellungsverfahren nötig oder verbessern die Immunantwort.

 

·           Restbestandteile der Züchtungsmedien wie z. B. Hühnereiweiß

·           Restmengen der Hilfsstoffe von Herstellung (z. B. Antibiotika)

·           Reste vom Inaktivierungsprozess (z. B. Phenol, Formalin)

·           Konservierungsmittel, das Haltbarkeit und Sterilität garantiert (z. B.  Merthiolat, ist nicht mehr in zugelassenen Impfstoffen enthalten)

·           Zusatzstoffe zur Verbesserung der Immunantwort (z. B. Aluminiumhydroxid in so genannten adjuvierten Impfstoffen)

 

Gegen einige dieser Substanzen kann ein Impfling entweder gleich mit einer Überempfindlichkeitsreaktion (Allergie) reagieren, wenn er schon früher mit dieser Substanz Kontakt hatte und hier sensibilisiert wurde (z. B. Hühnereiweißallergie: Patient bekommt Hautausschläge bereits auf den Verzehr von Hühnereiern; er wird daher auch auf hühnereiweißhaltige Impfstoffe allergisch reagieren). Auch durch die Impfung selbst kann ein Sensibilisierungsvorgang initiiert werden, sodass zwar die erste oder zweite Impfung mit einem Impfstoff tadellos vertragen werden, es bei Wiederholungsimpfungen aber zum Auftreten von allergischen Reaktionen kommt.

 

Das Aluminiumhydroxid selbst macht keine Allergien, allerdings kann es bei nicht in den Muskel, sondern nur unter die Haut durchgeführten Impfungen teilweise sehr unangenehme Reaktionen an der Impfstelle auslösen.

 

 

Weitere, im Rahmen von Impfungen zu beobachtende Reaktionen

 

a) Aktivierung von anderen Erkrankungen

 

Es wird vermutet, dass Impfungen bereits bestehende Erkrankungen aktivieren können. Vor allem all jene Erkrankungen, bei denen im normalen Ablauf bereits unser Immunsystem nicht normal reagiert. Als Beispiele gelten hier die Multiple Sklerose (MS), bei der immer wieder diskutiert wird, ob nicht Schübe in der Erkrankung durch Impfungen begünstigt werden können oder das Guillain-Barré Syndrom, eine Erkrankung der Nerven. Zumindest für die MS gibt es eine klare Stellungnahme des Institute of Medicine in den USA, die einen Zusammenhang als unglaubwürdig einstuft. Man wird bei Patienten, die derartige Erkrankungen haben, jedenfalls besonders vorsichtig sein. Auch bestimmte Hauterkrankungen, wie Ekzeme, können möglicherweise durch Impfungen beeinflusst werden – sowohl positiv als auch negativ.

 

Hier sind noch viele Dinge unklar, und man wird immer zwischen dem möglichen Risiko und dem Nutzen einer Impfung abzuwiegen haben, bevor man impft. Eine Absprache mit einem Fachmann ist hier unerlässlich.

 

b) andere Komplikationen

 

Der Injektionsvorgang selbst birgt natürlich ebenfalls Risken: direkte Injektion in einen Nerven oder in seine unmittelbare Umgebung kann den Nerven schädigen, vor allem durch eine entzündliche Reaktion. Auch die Applikation von Impfstoffen in ein arterielles Gefäß kann Reaktionen bis zum Gefäßverschluss auslösen. Wird die Injektion nicht unter sterilen Gesichtspunkten unter Beachtung der üblichen Hygienevorschriften (Einmalspritzen und -nadeln) gegeben, so können natürlich beim Injektionsvorgang fremde Krankheitserreger in den Stichkanal eingebracht werden und ein so genanntes „Spritzenabszess“ kann resultieren oder auch eine andere Erkrankung, deren Erreger im oder am Injektionsbesteck waren (z. B. Hepatitis B).

 

 

c) Handhabung von Impfstoffen

 

Es gilt der Grundsatz, dass praktisch alle Impfstoffe temperaturempfindlich sind. Werden sie nicht ordnungsgemäß gelagert, so resultiert ein Wirkungsverlust, der bis zur völligen Unwirksamkeit gehen kann. Besonders empfindlich sind hier alle Lebendimpfstoffe wie z. B. Masern/ Mumps/Röteln oder Gelbfieber, weniger empfindlich sind Totimpfstoffe wie Tetanus, Diphtherie oder Hepatitis A. Werden Impfstoffe tiefgefroren, so sind sie nach dem Auftauen möglicherweise sogar gefährlich, da die Inhaltsstoffe teilweise ausfallen und dann Impfreaktionen auftreten können.

 

 

Die meisten Impfstoffe sind zwischen +2 und +8 Grad zu lagern, der Transport zum (möglichst alarmgesicherten) Kühlschrank muss unter Einhaltung dieser Temperaturvorgabe erfolgen (Einhaltung der Kühlkette), nur dann ist die Qualität des Impfstoffes und seine Wirksamkeit bis zum Verfallsdatum sicher gegeben. Bereits abgelaufene Impfstoffe sollten nicht weiterverwendet werden, dies gilt ganz besonders für die besonders empfindlichen Lebendimpfstoffe! Auch direkte Lichteinwirkung ist bei manchen Impfstoffen schädlich.

 

 

d) Vermeidbare Fehler

 

Tageszeit: zumindest bei kleinen Kindern sollten Impfungen eher vormittags durchgeführt werden. Dies aufgrund der Tatsache, dass eventuell auftretende Impfreaktionen kurz nach der Impfung sofort erkannt werden und Gegenmaßnahmen gesetzt werden können, da Kinderärzte in der Nacht schwer erreichbar sind.

Ort der Impfung: Es sollten bei Erwachsenen und größeren Kindern Impfungen grundsätzlich am Oberarm gesetzt werden. Bei Säuglingen und sehr kleinen Kindern ist die Impfung in den seitlichen Teil der Oberschenkelmuskulatur die beste Stelle. Impft man ins Gesäß, so ist bei manchen Impfungen der Erfolg unsicherer, bei Säuglingen ist dann die Impfstelle von der Windel verdeckt und damit nicht jederzeit beurteilbar und außerdem womöglich infektionsgefährdet.

Durchführung: Nach der Impfung sollte man immer etwa 20 bis 30 Minuten warten, bevor man z. B. ins Auto steigt und losfährt. Sensible Gemüter reagieren manchmal mit einem Kreislaufkollaps (Spritzenangst), und dieser Zustand kann sich auch erst nach einigen Minuten etablieren.

Zeit nach der Impfung: Eine besondere Schonung nach einer Impfung ist nicht nötig, extreme Belastung einfach nicht sinnvoll. Vor allem dann, wenn z. B. schon eine leichte Reaktion an der Impfstelle auftritt, soll man nicht gerade Tennis spielen oder in die Kraftkammer gehen um just die betroffenen Muskelpartien zu strapazieren.

 

Die nachfolgende Tabelle (Zahlen aus den USA, 1999) stellt die Verbesserung der Erkrankungszahlen durch das Impfen den mögliche Impfkomplikationen gegenüber und ausserdem die Komplikationen der natürlichen Erkrankung jenen der Impfung  Es ist absolut eindeutig und belegt, dass Impfungen die volksgesundheitliche Situation in den letzten Jahrzehnten entscheidend verbessert haben

 

Tabelle: Prognose der Erkrankung versus Impfkomplikationen und Impact der Impfung auf die Erkrankungszahl

 

Impfung

höchste Erkrankungszahl

Erkrankungen 1999

Konsequenzen Erkrankung

Bekannte Impfneben-wirkungen

Haemophilus

20.000

363

Tod: 2-3/100

Meningitis,Pneumonie, Epiglottitis, Sepsis

Lokalreaktionen, selten: Fieber, Kopfschmerz;Guillain-Barrè Syndrom (SS)

Masern

894.134

62

Encephalitis: 1/1000,

Tod: 1-2/1000,

Pneumonie: 6/100,

SSPE: 1/~30.000

Fieber:

5-15/100,

Impfmasern

Pertussis

265.269

7288

Tod: 2/1000,

Pneumonie 10/100,

Krämpfe 1-2/100

Lokalreaktionen, Fieber.

NurGanzzellvakzine (nicht mehr gebräuchlich): Encephalopathie: 1-10/1,000.000

Mumps

152.209

221

Taubheit: 1/20.000, Encephalitis: 1/2000, Hodenentzündung: 20-50/100 (postpubertal)

Selten: Fieber, Hautauschlag

 

 

Zuletzt noch die Antwort auf eine der wichtigsten Fragen im Zusammenhang mit Impfungen:

 

Was gilt als echter Hinderungsgrund für eine Impfung und was nicht:

 

KEINE BEHINDERUNG FÜR DIE DURCHFÜHRUNG EINER IMPFUNG IST:

 

·          Leichte Erkrankung mit subfebrilen Temperaturen (bis 38°C), leichtem Durchfall bei einem sonst gesunden Kind und Hauterkrankungen (z.B. Ekzem).

·          Chronische Erkrankungen von Herz, Leber, Lunge, Nieren; stabile neurologische Erkrankungen, Diabetes mellitus.

·          Malignome (Krebserkrankungen)

·          Antimikrobielle Therapie (Antibiotika) oder Vera breichung niedriger Dosen von Kortikosteroiden oder lokal angewendete steroidhaltige Präparate (unbehandelte Injektionsstelle wählen). Ausnahme: Bakterielle Lebendimpfstoffe.

·          Rekonvaleszenzphase nach einer Erkrankung.

·          Frühgeburtlichkeit: Frühgeborene sollen unabhängig von ihrem Geburtsgewicht entsprechend dem empfohlenen Impfalter geimpft werden. Bei extremer Frühgeburtlichkeit wird empfohlen, die betreuende Neonatologieabteilung zu kontaktieren.

·          Schwangerschaft der Mutter oder anderer Haushaltsangehöriger sowie die Stillperiode der Mutter sind kein Hindernis, das Kind zu impfen.

·          Schwangerschaft (siehe auch im Spezialkapitel)

·          Ein möglicher Kontakt des Impflings zu Personen mit ansteckenden Krankheiten.

·          Allergien, Asthma oder andere atopische Erkrankungen (siehe Kontraindikationen) oder Allergien in der Verwandtschaft.

·          Penizillinallergie; kein Impfstoffhersteller verwendet Penizillin in der Produktion oder als Konservierungsstoff.

·          Fieberkrämpfe in der Anamnese des Impflings.

·          Plötzlicher Kindestod  (SIDS) in der Familienanamnese.

·          Neugeborenengelbsucht.

 

Welche Kontraindikationen sind hingegen sehr wohl als solche zu werten und stellen einen Hinderungsgrund für Impfungen (entweder dauernd oder vorübergehend) dar?

 

Zunächst sind in jedem strittigen Fall einfach aus forensischen Gründen die Angaben in der Fachinformation zu beachten, wenngleich sich der Autor das Recht herausnimmt, anzumerken, dass viele dieser Angaben einfach unsinnig sind und in praxi irrelevant. Es entstehen diese teilweise kuriosen Anweisungen aus der Tatsache, dass die Fachinformation aus den Daten der klinischen Studien mit diesem Präparat resultiert und daher Fakten, die nicht explizit untersucht wurden, auch nicht Eingang in die Fachinformation finden dürfen.

 

Aus allgemeinmedizinischer Sicht gilt: Liegt ein noch nicht genau abgeklärtes systemisches Krankheitsbild vor, ist zunächst eine finale Diagnose anzustreben, bevor geimpft wird. Steht die Diagnose dann unumstösslich, so gelten die folgenden Kathegorien als prinzipielle Kontraindikationen, die aber in den meisten Fällen nur als aufschiebend zu werten sind (d.h. bei Besserung ist dann ene Impfung möglich):

 

·                     Instabile systemisch-entzündliche und v.a. chronisch-entzündliche neurologische Erkrankungen, umso mehr, wenn gerade ein Krankheitsschub abläuft. Beispiele: multiple Sklerose im Schub (aber nicht im symptomfreien Intervall!!), akuter Schub einer PCP, akute Pancreatitis u.a.

·                     Schwere Störungen des blutbildenden Systems (z. B. laufende Chemotherapie, Leukämie (in der akuten Phase, aber nicht in der Remission). Hier sind Impfungen immer problematisch: Bei Lebendimpfungen ist mit einer erhöhten Nebenwirkungsrate zu rechnen, u.U. mit schwerwiegenden oder bedrohlichen Reaktionen. Bei Totimpfstoffen wird zwar keine erhöhte Reaktogenität zu erwarten sein, aber ein Impferfolg ist sehr fraglich. Erst bei eindeutiger Besserung des Blutbildes ist daher zu Impfungen zu raten, das Ansprechen auf die Impfung sollte jedoch serologisch- soferne möglich- überprüft werden (siehe dort).

·                     Immunologische Grundkrankheiten stellen a priori bis zur Abklärung immer eine Kontraindikation dar. Allerdings: In den meisten Fällen ist nach Sicherung und Bewertung der Diagnose eine Impfung dann möglich. Typisch ist hier die Impfempfehlung der WHO für HIV-positive Menschen, die die meisten Impfungen in Abhängigkeit vom Immunstatus durchaus anrät, allerdings mit dem Hinweis, dass eine serologische Impferfolgskontrolle sinnvoll ist.
Immunmangelerkrankungen, soferne der Patient mit diesen Krankheiten ein normales Leben führen kann und nicht wesentlich gesteigert infektanfällig ist, sind nicht als Kontraindikationen zu werten.

·                     Immunsupprimierende Therapie, v.a. bei höherer Dosierung am Beginn der Behandlung oder im Intervall bei Symptomverschlechterung der Grundkrankheit. Hier ist weniger eine Schädigung des Patienten zu erwarten (ausgenommen Lebendimpfungen) als vielmehr ein fehlender Impferfolg, der aber gerade bei dieser Patientengruppe essentiell wäre. Auch hier gilt als Faustregel, dass geimpft werden kann, wenn der Patient nicht gesteigert infektanfällig ist. Generell ist aber festzuhalten, dass solche Patienten besondere Aufmerksamkeit beim Impfen brauchen, da wenig Erfahrung besteht.

 

 

Verhalten bei Impfreaktionen

 

a)                    allgemeine Empfehlungen für Patienten

 

Lokale Reaktionen nach Impfungen sind zumeist nicht weiter behandlungsbedürftig. Leichte Rötungen oder Schwellungen sowie Druckschmerzhaftigkeit dauern nach Impfungen selten länger als 48 Stunden. Nur wenn entweder die Lokalreaktion sehr unangenehm wird oder sich zusätzlich Allgemeinsymptome, vor allem Fieber, hinzugesellen, sollte man den Arzt, der geimpft hat, kontaktieren.

 

Die Behandlung von Lokalreaktionen ist recht einfach: Aufbringen von kühlenden Gels (z. B. Euceta mit Kamille® oder Voltaren Emulgel®) lindert die Beschwerden und beschleunigt das Abklingen der Reaktion. Zusätzlich kann man Aspirin® nehmen, auch dies ist sehr gut entzündungshemmend.

Beginnt sich eine Schwellung an der Impfstelle auszudehnen, zusätzlich die Einstichstelle sichtbar zu werden (wie ein „Wimmerl“) und tritt damit im Kontext Fieber auf, so sollte man unverzüglich Kontakt mit dem Arzt aufnehmen – so kann eine Infektion an der Injektionsstelle beginnen.

Leichte fieberhafte Reaktionen ohne großartige zusätzliche Beschwerden können nach Impfungen, wie erwähnt, auftreten. Solche fieberhafte Reaktionen dauern meist unter 24 Stunden. Solange das Fieber 38 Grad nicht überschreitet und nicht länger als 48 Stunden dauert, ist kein Grund zur Besorgnis gegeben. Bei höherem Fieber und längerer Dauer ist der Arzt aufzusuchen.

Bei deutlichen Allgemeinbeschwerden ist jedenfalls Kontaktaufnahme mit dem Arzt nötig. Eile ist dann geboten, wenn sich allergische Beschwerden etablieren: Plötzlich auftretende Schwellungen im Augenlidbereich, juckende Hautausschläge am Körper oder asthmaähnliche Atembeschwerden.

 

Wenn Sie den Arzt, der Sie geimpft hat, nicht erreichen können, so wenden Sie sich an eine Vertretung, aber vergessen Sie nicht, dass von Ihrer genauen Information (wogegen geimpft?, wann?, frühere Episoden von Impfreaktionen? etc.) die Einschätzung der Situation abhängt. Also: Impfkarte  mitbringen,  Allergiepass  mitbringen u. s. w.

 

Etwas ist jedoch für die Beurteilung von Impfreaktionen entscheidende Grundlage: Die Impfdokumentation. Achten Sie als Patient darauf, dass die Eintragungen in Ihren Impfdokumenten vollständig, klar leserlich und zweifelsfrei sind. Es ist ein österreichisches Gesetz, dass der Arzt Impfungen mit Chargennummern in Form so genannter „Pickerln“ dokumentieren muss – entweder im Impfpass oder auf seiner Kartei.

 

b)                    Die Behandlung des akuten Impfzwischenfalls (für Mediziner, laut Angaben des öst.Impfplanes 2005)

 

Behandlung einer anaphylaktischen Reaktion:

·       L-Adrenalin Fresenius (1:10.000): 0,1 mL/kg/dosi intramuskulär oder intravenös, bis zu 3 Dosen im Abstand von 10-20 Minuten

·       anschließend intravenöse Infusion von isotoner Lösung

·       kardiopulmonale Reanimation

 

·       Spitalseinweisung

Behandlung allergischer Reaktion mit Bronchospasmus:

·       Inhalation von Sultanol

·       Inhalation von Sauerstoff

·       Spitalseinweisung zur Beobachtung für 24 Stunden

 

Behandlung allergischer Reaktion mit kutaner Manifestation:

·       SoluDacortin 2 mg/kg intravenös oder Dexamethason  0,4 mg/kg intravenös, intramuskulär

·       Dibondrin 2 mg/kg intravenös, intramuskulär

·       Bei Hypotonie: s. anaphylaktische Reaktion

 

·       Spitalseinweisung zur Beobachtung für 24 Stunden

 

 

c) Impfung bei Patienten mit nachgewiesener Allergie gegen Impfstoffbestandteile (nur für Profis)

 

Sollte man vor der Situation stehen, einen Patienten mit nachgewiesener Allergie gegen einen im Vakzin enthaltenen Inhaltsstoff impfen zu müssen, dann kann folgendes Vorgehen angewendet werden:

 

1)                 Injektion von 0,05ml des 1:100 verdünnten Impfstoffes
danach 20 Minuten warten

2)                 Injektion von 0,05ml des 1:10 verdünnten Impfstoffes
danach 20 Minuten warten

3)                 Injektion von 0,05ml des unverdünnten Impfstoffes
danach 20 Minuten warten

 

Danach kann man entweder

 

Nach LAVI (1990)                              oder                            nach MURPHY (1985)

vorgehen.

 

 

4. Injektion: 0,05 unverdünnt                                                    4.Injektion: 0,1 unverdünnt

                                               20 Minuten Wartezeit

 

5. Injektion:0,05 unverdünnt                                                     5.Injektion: 0,15 unverdünnt

                                               20 Minuten Wartezeit

usw. bis zum Erreichen                                                             6.Injektion: 0,2 unverdünnt

der vollen Dosis

(insgesamt 12 Injektionen)                                                       (insgesamt 6 Injektionen)

 

Dieser Versuch ist natürlich immer dann sofort abzubrechen, wenn der Patient auf einer der Stufen eine allergische Reaktion zeigt.

 

 

Besteht nur der Verdacht auf eine Allergie, dann kann man den Patienten mit 1:10 verdünntem Impfstoff intradermal impfen und die Reaktion abwarten. Entsteht eine Induration (=Verhärtung; und nur diese zählt!), dann besteht eine Allergie und dann sollte wie oben angegeben weiter verfahren werden.

 

Eine weitere, wesentlich einfachere Methode, die die Impfkundler von den Allergologen „übernommen“ haben besteht darin, dem möglicherweise allergiegefährdeten Patienten etwa 2 Stunden vor der geplanten Impfung ein sogenanntes Antihistaminikum zu verabreichen. Diese Substanzen unterdrücken dann recht zuverlässig allergische Reaktionen oder vermindern zumindest die Auswirkung entscheidend, ohne den Impferfolg an sich in Frage zu stellen.

 

Jedenfalls sollte jeder Impfling, bei dem auch nur der leiseste Verdacht auf eine Unverträglichkeit anamnestisch erhebbar ist, nach jeder Impfung etwa 1 Stunde im Wartezimmer Platz nehmen und zwar so, dass die Sprechstundenhilfe jederzeit „ein Auge auf ihn hat“.