Impfungen bei Kinderwunsch

Dieses Kapitel mag auf den ersten Blick überraschen, ist aber deshalb besonders wichtig, weil viele Impfungen in der Schwangerschaft zwar theoretisch verabreicht werden können, es hier jedoch optimal ist, „vorzusorgen“ („Prepare for pregnancy!“). Außerdem sollten Lebendimpfungen in der Schwangerschaft nicht verabreicht werden.

So sollten Frauen mit Kinderwunsch den Impfstatus hinsichtlich der folgenden Erkrankungen überprüfen:

 

Impfungen in der Schwangerschaft und Stillzeit

Ein besonders sensibles Thema ist die Frage, ob bei bestehender Schwangerschaft geimpft werden darf oder sogar soll. Werdende Mütter haben sehr oft Angst, dass eine Impfung dem Ungeborenen Schaden zufügen könnte. Diese Angst resultiert vor allem aus der Tatsache, dass sehr viele Medikamente, die man sonst als „harmlos“ einstuft, in der Schwangerschaft verboten sind. Außerdem hat sich

Wie schon im Kapitel zuvor erwähnt, wäre es ideal, vor der Schwangerschaft zu impfen. Oftmals lässt sich dies jedoch in der Praxis nicht realisieren. Die gute Nachricht ist, dass die Datenlage zu Impfungen in der Schwangerschaft mittlerweile bereits sehr gut ist und es kaum Bedenken hinsichtlich der Applikation von inaktivierten Impfstoffen während der Schwangerschaft. Attenuierte Lebendimpfstoffe hingegen sollen während der Schwangerschaft nicht vorsätzlich angewendet werden. Dies begründet sich aus der Tatsache, dass Lebendimpfungen ein theoretisches Risiko der Erkrankung für das Ungeborene Bergen und öfters leichtes Fieber als Reaktion zeigen; man will einfach grundsätzlich alles vermeiden, was die Schwangerschaft belasten könnte. Sollte unabsichtlich eine Lebendimpfung in der Schwangerschaft gegeben worden sein, so ist dies niemals ein Grund für einen Schwangerschaftsabbruch! Es gibt keine Evidenz für die Schädigung von Ungeborenen durch Lebendvakzinen, ausgenommen die (nicht mehr gebräuchliche) Pockenvakzine (Plotkin, 2012). Ein Übersichtsartikel im Bulletin zur Arzneimittelsicherheit fasst dieses Thema sehr anschaulich zusammen und ist abrufbar unter der folgenden Adresse:

http://www.pei.de/DE/arzneimittelsicherheit-vigilanz/pharmakovigilanz/bulletin-zur-arzneimittelsicherheit/sik-bulletin-teaser-4-2014.html 

 

Zusätzlich gibt es hierzu gibt es ein ausdrückliches Statement im Österreichischen Impfplan 2015:

Generell können während der Schwangerschaft Impfungen mit Totimpfstoffen durchgeführt werden, jedoch ist ein Verschieben der Impfung in das 2. oder 3. Trimenon als generelle Vorsichtsmaßnahme angezeigt, um theoretischen Bedenken zu entgegnen. Die jeweilige Fachinformation muss zusätzlich beachtet werden.

 

Da die Influenza während der Schwangerschaft oft schwere Verläufe zeigt, wird die gut verträgliche Impfung gegen Influenza zum eigenen Schutz und zum Schutz des Neugeborenen vor und auch noch während der Influenzasaison empfohlen. Die Influenzaimpfung wird dringend im 2. oder 3. Trimenon empfohlen, kann aber auch bereits im 1. Trimenon verabreicht werden http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/rr6207a1.htm?s_cid=rr6207a1_w

Die Schwangerschaft ist eine Kontraindikation für Lebendimpfungen (Masern, Mumps, Röteln, Varizellen), allerdings ist ein Impfrisiko eher theoretisch: Weblinks dazu:

http://www.cdc.gov/vaccines/pubs/preg-guide.htm; http://www.cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/rr6204a1.htm?s_cid=rr6204a1_whttp://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18419394)

Ein Schwangerschaftstest zum Ausschluss einer Schwangerschaft ist nicht notwendig, kann aber bei unklarer Situation empfohlen werden. Ein zuverlässiger Konzeptionsschutz wird für drei Monate nach der Impfung empfohlen. Bei versehentlicher Rötelnimpfung während der Schwangerschaft wurde noch kein Fall einer Rötelnembryopathie bekannt. Eine versehentliche Rötelnimpfung ist daher keine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch. Obwohl Reisen in Gelbfieberendemiegebiete während der Schwangerschaft bis nach der Entbindung verschoben werden sollen, können Schwangere, deren Reise unbedingt erfolgen muss, bei gegebener Empfänglichkeit gegen Gelbfieber geimpft werden, da das Risiko einer Gelbfieberinfektion das Impfrisiko überwiegt: http://wwwnc.cdc.gov/travel/yellowbook/2014/chapter-3-infectious-diseases-related-to-travel/yellow-fever

Grundsätzlich sind in der Stillzeit alle Impfungen möglich, in jedem Fall ist aber die Fachinformation zu beachten[1].

 



[1] Impfplan 2015