Amoböse

Was ist Amöbose (Amöbenruhr)?

Amöben sind einzellige Organismen, die zur Gruppe der Protozoen, den sog. "Urtierchen" gehören. Es existieren verschiedene Arten von Amöben, aber nur eine Untergruppe, nämlich Entamöba Histolytica, löst beim Menschen in den meisten Fällen eine Durchfallerkrankung – die Amöbose aus. Neben der Möglichkeit, an Durchfall zu erkranken, kann auch ein Betroffener zum symptomlosen Zystenträger werden oder – sehr selten – an einer extraintestinalen Amöbose erkranken, dem Amöbenleberabszeß.

Wo kommt sie vor?

Entamöba Histolytica ist vor allem in den Tropen und Subtropen verbreitet. Dort sind 2-70% der Bewohner Träger des Erregers. In Mitteleuropa werden meistens importierte Fälle aus tropischen Ländern beobachtet.

Wie entwickelt sich die Amöbose?

Bei den Amöben unterscheidet man prinzipiell zwei Lebensformen. Die sog. Trophozoiten sind die im Darm des Menschen lebenden Formen. Sie bilden die zweite Lebensform, ansteckende Zysten, die mit dem Stuhl ausgeschieden werden.

Wie erfolgt die Ansteckung?

Diese Zysten werden bei fehlender Hygiene durch Nahrungsmittel und Wasser und entsprechendem Kontakt über den Mund wieder in den Darm eines Menschen gebracht. Dort entstehen aus den Zysten erneut Trophozoiten.

Trophozoiten im Darm eines Menschen müssen nicht unbedingt eine Krankheit auslösen. In diesem Fall spricht man von einem "symptomlosen Träger" (=asymptomatischer Keimträger) der Amöben, der Zysten ausscheidet, jedoch selbst keine Erkrankungserscheinungen zeigt.

Welche Formen der Amöbiasis gibt es?

Meist zwei bis vier Wochen nach der Aufnahme von infektiösen Zysten, oft auch erst nach jahrelanger Symptomfreiheit, kann es zur Erkrankung kommen. Trophozoiten verursachen dann das Krankheitsbild der invasiven Amöbiasis. Man unterscheidet die auf den Darm beschränkte "Darmamöbose" oder sog. Amöben-Ruhr und die andere Organe befallende Form der Amöbiasis (=extraintestinale Form), wobei bei dieser Form vor allem die Leber betroffen ist.

Was sind die Symptome?

  1. Die Darmamöbose (=intestinale Form, Amöbenruhr-Ruhr) befällt fast ausschließlich den Dickdarm des Menschen. Die Patienten klagen über Bauchschmerzen und Durchfallepisoden unterschiedlicher Dauer, meist ohne Fieber Der Stuhl ist am Beginn der Erkrankung breiig, dann schleimig und blutig, oft wird er als "himbeergeleeartig" beschrieben. Ein häufiges Problem stellt der Flüssigkeitsverlust über den Stuhl dar. Diese Symptome können sich spontan wieder zurückbilden, oder über Jahre anhaltende Beschwerden verursachen.
  2. Die "extraintestinale" Form der Amöbose befällt neben dem Darm andere Organe. Die Trophozoiten sind in der Lage die Darmwand zu durchwandern und in das Blut zu gelangen. Mit dem Blut wandern sie in den ganzen Körper und können auf diese Weise in jedes Organ gelangen. Am häufigsten wird jedoch die Leber befallen. In den Organen bilden die Amöben dann Hohlräume, sog. Amöbenabszesse, in welchen sie leben. Die Erkrankung macht sich dann durch Fieber und Oberbauchschmerzen bemerkbar. Es kommt zu einer Lebervergrößerung und zu einer Verdrängung des Zwerchfells nach oben. Diese Erkrankungsform ist lebensgefährlich. Unangenehmerweise ist die Inkubationszeit völlif unterschiedlich, sie kann mehrere Jahre betragen und häufig ist das Leberabszeß die Erstmanifestation, d.h. es findet sich kein Durchfall in der Anamnese, der auf eine durchlittene Amöbenruhr hindeutet.

Wie stellt man eine Erkrankung fest?

Die Diagnose der Amöbiasis wird durch eine Stuhluntersuchung gestellt, die mindestens drei Mal an drei aufeinanderfolgen Tagen durchgeführt werden muss.

Die Trophozoiten und Zysten werden im Stuhl mit dem Mikroskop nachgewiesen. Allerdings dürfen zwischen der Stuhlentnahme und der Untersuchung nicht mehr als 10 Minuten vergehen, da Trophozoiten sehr kurzlebig sind. Weiters sind Blutuntersuchungen angezeigt, die allerdings nicht so aussagekräftig sind. Beim Leberabszeß ist die Blutuntersuchung aber beweisend und neben der bildgebenden Diagnostik unerläßlich.

Bildgebende Verfahren, wie eine Ultraschalluntersuchung, Computertomografie und Magnetresonanztomografie können bei der Entdeckung eines Amöbenabszesses hilfreich sein.

Die Amöbose kann mit fast allen bakteriellen Darmerkrankungen verwechselt werden, entscheidend für die Diagnose ist der Nachweis der Erreger im Stuhl und die Tatsache, dass sich der Patient in durchseuchten Gebieten aufgehalten hat.

Wie wird die Erkrankung behandelt?

Nach gesicherter Diagnose ist eine Therapie mit Amöbiziden angezeigt:

Was können sie selbst tun?

Zur Verhinderung der Erkrankung denke man bei Reisen in tropische Länder an folgende Verhaltensregeln: Trinkwasser durch Abkochen oder Filtration entkeimen, auf den Genuss von Salaten verzichten, nur schälbares Obst essen und bei der Nahrungsumstellung vorsichtig sein.

Gibt es eine Impfung?

Eine Möglichkeit zur Impfung besteht nicht.