Cholera

Erreger

Cholera-Vibrionen (mehrere Bio- und Serotypen).

Infektionsquelle

Wasser, kontaminierte Nahrungsmittel und Getränke.

Übertragung

Fäko-oral, d. h. Cholera-Vibrionen werden mit dem Stuhl ausgeschieden und gelangen bei ungenügenden hygienischen Bedingungen (fehlender Wasser-, Abwasser- und Abfallhygiene) in die Nahrung und ins Wasser.

Inkubationszeit

1 bis 3 Tage, maximal 10 Tage (abhängig von der Infektionsdosis).

Krankheitsbild

Man unterscheidet bei der Cholera verschiedene Verlaufsformen:

gutartiger Verlauf

Beginnend mit leichten Bauchkrämpfen kommt es zum Auftreten von wässrigen Durchfällen, es werden jedoch selten mehr als ein Liter Flüssigkeit pro Tag verloren. Die Erkrankung ist klinisch nicht von Durchfallserkrankungen anderer Ursache  zu  unterscheiden  und  dauert  zwischen 48 Stunden und maximal fünf Tagen. Durch den milden Verlauf treten keine wesentlichen Störungen des Flüssigkeits- und Mineralstoffwechsels auf.

klassischer Verlauf

Bei dem dramatischen Bild der klassischen Cholera treten massivste reiswasser-ähnliche Durchfälle   auf,   zu   Beginn   steht   meist   auch  heftiges Erbrechen.  Durch den Durchfall werden bis zu einem halben Liter Flüssigkeit und Mineralsalze in der Stunde verloren. Wird diese Menge nicht ausreichend ersetzt, treten alle Zeichen der Austrocknung  (trockene  Haut  und  Schleimhäute, eingefallene Augäpfel, flacher Puls, niedriger Blutdruck und Untertemperatur) auf. Es treten Schock und Nierenversagen  ein.  Die  schwere  Cholera  führt unbehandelt in bis zu 50 % der Fälle zum Tode. Ganz besonders gefährlich ist die Cholera für Kinder.

Diagnose

Die Verdachtsdiagnose der Cholera wird an erster Stelle klinisch (d. h. anhand der Beschwerden) gestellt. Die Diagnose wird durch den Nachweis des Erregers in der Stuhlkultur gesichert.

Behandlung

Der Meilenstein in der Behandlung der Cholera ist der rasche Ersatz der verlorenen Flüssigkeits- und Elektrolytmengen. Dieses erfolgt in leichten Fällen durch die Gabe von mit Mineralstoffen angereicherten Trinklösungen (orale Rehydratationslösung der WHO) oder durch Infusionstherapie, um die Komplikationen (Schock, Nierenversagen) zu verhindern.

Die massiven Durchfälle bei der Cholera werden durch ein von den Bakterien gebildetes Toxin verursacht, das im Dünndarm wirkt. Durch den Einsatz von Antibiotika kann die Bakterienzahl vermindert und die Ausscheidungsdauer der Cholera-Vibrionen verkürzt werden, die Wirkung des Toxins wird aber nicht durch Antibiotika gehemmt.

Epidemiologie und Bedeutung

Cholera ist in weiten Teilen von Asien und Afrika sowie seit 1991 auch in Süd- und Mittelamerika heimisch. Das Auftreten von Epidemien, also von Ausbrüchen, ist eng mit den hygienischen Bedingungen verknüpft und in den klassischen Verbreitungsgebieten immer möglich und nie vorhersehbar.

Steht die Wasser-, Abwasser- oder Abfallhygiene bereits auf schwachen Beinen, so genügen oft längerdauernde Regenfälle, um „das Fass zum Überlaufen zu bringen". Auch Situationen, in denen viele Menschen unter schlechten Bedingungen auf engstem Raum zusammenleben – wie z. B. in Slums oder bei Massenflucht oder Massenwanderungen – ist ein hohes Potential für die Verbreitung der Cholera gegeben. Auch die modernen Fortbewegungsmittel (hauptsächlich Flugzeug und Auto) ermöglichen eine rasche Verbreitung der Cholera.

Die Cholera ist nach wie vor eher eine „Seuche" der armen Leute.

Die beste Vorbeugungsmaßnahme, um die Cholera-Infektion zu vermeiden, ist die Einhaltung einer strikten Lebensmittelhygiene. Hygienemaßnahmen, die bei uns eine Selbstverständlichkeit sind, wie z. B. Kläranlagen, Trinkwasseraufbereitung, strikte hygienische Überwachung bei Lebensmittelherstellung und -vertrieb, Einhaltung von Kühlmaßnahmen, stellen viele Länder vor unüberwindbare Probleme.

Die bisher zur Verfügung stehenden Cholera-Stichimpfstoffe hatten keinen Einfluss auf die Verbreitung der Cholera. Diese Impfung konnte zwar einen gewissen persönlichen Schutz vor einer lebensbedrohenden Erkrankung bieten, die Ausscheidung der Cholera-Vibrionen im Stuhl und somit die Weiterverbreitung der Erkrankung wurde jedoch in keiner Weise beeinflusst. Mit der Entwicklung von modernen Cholera-Schluckimpfstoffen könnte die Situation verbessert werden. Als vorrangigstes Problem sollte jedoch die Verbesserung der hygienischen Infrastrukturen angesehen werden.

Exakte Zahlen zu den tatsächlich aufgetretenen Cholera-Erkrankungen fehlen weitgehend, weil die „Meldemoral" der Länder nicht optimal ist (viele Länder genieren sich, Cholerafälle zuzugeben).

Neben Indien und Nepal kann auch das tropische Afrika zu den klassischen Hochrisikogebieten von Cholera gezählt werden. Auch aus dem Fernen Osten (Laos, Burma, ja sogar Westmalaysia) wurden Cholera-Ausbrüche gemeldet. Seit dem Jahr 1991 ist die Cholera auch in weiten Teilen von Südamerika (ausgehend von einer Epidemie in Peru)  und in Mittelamerika heimisch.

Aufgrund des Ferntourismus wurden auch aus den „zivilisierten" Ländern wie USA, Kanada, Großbritannien, Holland, Frankreich und auch Österreich in den letzten Jahren vereinzelt importierte Cholerafälle gemeldet. Insgesamt ist das Risiko für den touristisch Reisenden als sehr gering einzustufen.

Impfstoff

Seit dem  Jahr 2003 ist ein oraler Totimpfstoff (Dukoral®, SBL Vaccin, Schweden, enthält abgetötete Choleraerreger und einen Teil des Choleratoxins, die „B-subunit"), in Österreich erhältlich. Hier schützt eine zweimalige Schluckimpfung für etwa sechs Monate bis maximal 2 Jahre, vermittelt aber gleichzeitig auch eine gewisse Immunität gegen den wichtigsten Erreger des Reisedurchfalls, enterotoxinproduzierende E.coli.

Produkte

Impfstoff Produktname und Hersteller
Kinderimpfstoffe = Erwachsenenimpfstoffe
Choleravibrionen, abgetötet plus rekomb.
B subunit des Toxins (Ganzkeim, TOT)
Dukoral (Baxter)

Impfung

Zweimalige Schluckimpfung im Abstand von 1-6 Wochen. Die Einnahme erfolgt auf nüchternen Magen, bis eine Stunde danach darf ebenfalls keine Nahrungsaufnahme erfolgen

Schutzrate

Ca. 90 %

Schutzdauer

Der Schutz beginnt wenige Tage nach der 2. Impfung und hält mindestens 6 Monate. Im Laufe der folgenden 1 ½ Jahre nimmt der Schutz dann langsam ab. Die Wirkung gegen bestimmte Reisedurchfallserreger hält nur etwa 3 Monate an.

Nebenwirkungen

Praktisch keine, gelegentlich treten weiche Stühle auf. Bei Dukoral wird auch gelegentliches Erbrechen unmittelbar nach Verabreichung berichtet.

Besondere Hinweise

Die Cholera-Schluckimpfung sollte jenen Reisenden empfohlen werden, die sich unter sehr einfachen Bedingungen und einer daraus resultierenden schwer einzuschätzenden Hygienesituation in den Verbreitungsgebieten bewegen. Mit der Cholera-Schluckimpfung steht eine vernünftige und zuverlässig wirkende Maßnahme zur Verfügung.

Eine Auffrischung mit nur einer weiteren Schluckimpfung ist bis zu 2 Jahre nach der Erstimpfung möglich.