Diphtherie

Erreger

Corynebacterium diphtheriae, drei Typen; entscheidend ist aber nicht das Bakterium, sondern das Toxin, das es produziert!

Infektionsquelle

Sekrete von Nase, Rachen, Haut, Auge, Wunden. 

Übertragung

Direkter Kontakt mit Bazillenträger oder Erkranktem, indirekt durch verseuchte Gegenstände.  

Inkubationszeit

2 bis 5 Tage

Krankheitsbild

Sehr variantenreich

Diagnose

Nachweis der Bakterien mittels Kultur (Abstriche); die Erkrankung ist meldepflichtig.

Behandlung

Diphtherie-Antiserum vom Pferd, Antibiotika. 

Epidemiologie und Bedeutung

Außerhalb der westlichen Industrienationen ist Diphtherie nach wie vor eine weit verbreitete Infektionskrankheit. Die letzte große Epidemie trat im Raum der ehemaligen Sowjetunion in den Jahren 1994/1995 auf, damals erkrankten pro Jahr etwa 50.000 Menschen. Retrospektiv dürfte die Rückverlegung von Truppen aus dem Afghanistan-Krieg und die parallel bestehende miserable Durchimpfung der Bevölkerung an dem damaligen Ausbruch schuld gewesen sein. Erst gegen die Jahrtausendwende hat sich die Situation in dieser Region wieder normalisiert.

In vielen tropischen und subtropischen Entwicklungsländern ist nach wie vor mit erhöhter Infektionsgefahr zu rechnen. 

Impfstoffe

Wie bei der Tetanusimpfung enthält der Impfstoff das durch Formalinbehandlung entgiftete Diphtherie-Toxin. Dieses Diphtherie-Toxoid wird an Aluminiumhydroxid adsorbiert. Es gibt einen eigenen Impfstoff für Kinder (DT), der mehr Antigen (20-30 I.E) enthält und in den Kinder-Kombinationsimpfstoffen enthalten ist. Ab dem Schulalter soll aber dann der Erwachsenenimpfstoff (dT oder nur d; 3-5 I.E) angewendet werden, der entweder als Einzelkomponentenimpfstoff (d) vorliegt, oder aber – was häufiger verwendet wird – in Kombination mit dem Tetanusimpfstoff (dT) oder sogar als Dreifachkombination dTaP (Diphtherie/Tetanus/Pertussis) oder 4-fach Kombi (Diphtherie/Tetanus/Pertussis/Polio) verabreicht wird.

Diphtherie-Impfung

Die Diphtherieimpfung ist – sofern nicht durch Kombinationen andere Schemata anzuwenden sind – eine Impfserie aus 3 Teilen:

Auffrischung alle 10 Jahre, ab dem 60. Lebensjahr alle 5 Jahre

Handelsprodukte

IMPFSTOFF PRODUKTNAME und HERSTELLER
KINDERIMPFSTOFFE
dTaP Boostrix (GSK)
dTaP-IPV Boostrix Polio (GSK), Repevax (SPMSD)
Di/Tet/aP/Polio Tetravac (SPMSD)
Di/Tet/aP/Hib/Polio/Hep.B Infanrix hexa (GSK)
ERWACHSENENIMPFSTOFFE
d Diphtherie-Adsorbat (Nov)
dT Tdpur (Nov)
DiTe Anatoxal (Berna)
dTaP Boostrix (GSK)
dTIPV Revaxis (SPMSD)
dTaP-IPV Boostrix Polio (GSK), Repevax (SPMSD)

 Impfschemata im österreichischen Impfplan

 Grundimmunisierung im Kindesalter:

  3. Monat 5. Monat 2. Lebensjahr
Diphtherie (DI)  Tetanus (TET) Pertussis (PEA) Poliomyelitis (IPV) Haemophilus infl. B (HIB) Hepatitis B (HBV) 1. 6-fach Impfung 2. 6-fach Impfung 3. 6-fach Impfung

danach wird bei Schuleintritt und bei Pflichtschulaustritt (15.LJ) jeweils mit der 4-fachimpfung diTETPEAIPV aufgefrischt.

Diphtherieimpfung im Erwachsenenalter:

18 - 20 Jahre   30 Jahre 40 Jahre 50 Jahre 60 Jahre   65 Jahre 70 Jahre 75 Jahre u.s.w.
di TET PEA IPV di TET PEA IPV di TET PEA IPV di TET PEA IPV di TET PEA IPV di TET PEA IPV di TET PEA IPV di TET PEA IPV

Schutzrate

Die Schutzrate liegt nahe 100 Prozent.

Schutzdauer

Die Schutzdauer liegt in einer Größenordnung von zehn Jahren. Anzumerken ist, dass die Persistenz des Schutzes nach Diphtherieimpfung sicher deutlich kürzer ist als jener nach Tetanusimpfung. Bereits 15 Jahre nach der letzten Impfung haben die meisten Geimpften keine nachweisbaren Antikörper mehr. Auffrischbar bleiben diese Personen aber noch einige weitere Jahre, d.h. eine einzige Impfung reicht zur Induktion einer Vollimmunität. Es ist nicht eindeutig untersucht, wie lange eine zurückliegende (Erst-) Immunisierung gegen Diphtherie jedenfalls mit nur einer Impfung auffrischbar bleibt, die auch im österreichischen Impfplan angegebenen 20 Jahre sind ein akzeptabler Kompromiss. Ist das Intervall zur Letztimpfung deutlich länger, sollten 2 Impfungen im Abstand von 4 Wochen bis 6 Monaten verabreicht werden und danach wäre es optimal, eine Antikörperbestimmung anzuschließen. Generell dürften Frauen schlechter Antikörper bilden.

Nebenwirkungen

Vergleichsweise ähnlich wie bei der Tetanusimpfung, allerdings zumeist noch geringfügiger. Rund 20% der Impflinge haben lokale Reaktionen geringer Intensität, < 1% haben Allgemeinsymptome wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gliederschmerzen. Schwere Nebenwirkungen wie Neuropathien und anaphylaktische Zwischenfälle sind ausgesprochen selten.

Besondere Hinweise

Die Schutzimpfung gegen Diphtherie wurde in den letzten 25 Jahren bei Erwachsenen sträflich vernachlässigt, da Österreich in einer glücklichen Situation war und keine Diphtheriefälle mehr aufgetreten sind. So ist es erklärbar, dass zurzeit fast 30% der über Vierzigjährigen keinen Schutz gegen Diphtherie mehr haben. Jeder Patient sollte daher von sich aus darauf bestehen, bei der nächsten Tetanusimpfung auch gegen Diphtherie nachimmunisiert zu werden, da auch viele Ärzte auf die Notwendigkeit der Diphtherieimpfung vergessen haben.