Hepatitis A

Noch ist die Hepatitis A-Impfung vornehmlich eine Impfung der Reisemedizin – es ist aber zu erwarten, dass in den nächsten Jahren nach der allgemeinen Impfempfehlung für die Hepatitis-B-Impfung früher oder später auch die Hepatitis-A-Impfung bereits in den Kinderimpfplan inkludiert wird. Derzeit wird die Hepatitis A Impfung im österr. Impfplan bei Eintritt in Gemeinschaftseinrichtiungen wie Kindergarten, Volksschule etc. für alle Kinder empfohlen.

Erreger

Hepatitis-A-Virus (RNA-Virus)

Infektionsquelle

Mensch

Übertragung

Fäko-oral, d. h. bei fehlender Wasser-, Abwasser- und Abfallhygiene über kontaminiertes Trinkwasser, Gemüse, Früchte und Meerestiere (bes. Muscheln)

Inkubationszeit

3 bis 6 Wochen

Krankheitsbild

Beginn mit uncharakteristischen Allgemeinbeschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, eventuell Fieber, Kreuzschmerzen, Müdigkeit.

In der Folge kommt es zum Auftreten einer Gelbsucht (Gelbfärbung von Haut und Augen) mit hellem Stuhl und dunklem Harn.

Im Rahmen der Laboruntersuchungen ist eine deutliche Erhöhung der Leberfunktionsparameter (SGOT und SGPT, Bilirubin) sichtbar.

Ganz besonders bei Kindern verläuft die Hepatitis A oft ohne die klassische Gelbsucht, es treten nur milde Symptome wie bei einem grippalen Infekt auf.

Bei der Hepatitis A gibt es keine chronischen Verläufe, die Erkrankung heilt – nach einer mehrwöchigen Erkrankungsphase – komplett aus. Im höheren Lebensalter kann es aber auch bei der Hepatitis A zu einem akuten Leberversagen und damit zum Tod kommen.

Diagnose

Die Diagnosestellung erfolgt ausschließlich serologisch (Hepatitis A IgG und IgM-Antikörperuntersuchung). Klinik und Befunde lassen keine Unterscheidung von anderen Hepatitisformen zu. Nur in der Frühphase der Erkrankung ist auch der Virusnachweis im Stuhl möglich.

Behandlung

Wie bei allen virusbedingten Leberentzündungen ist eine spezifische Therapie nicht möglich.

Die Behandlung beruht lediglich auf symptomatischen Maßnahmen und entsprechender Schonung. Auch besondere diätetische Maßnahmen haben keinen wesentlichen Einfluss auf den Krankheitsverlauf.

Bedeutung und Vorkommen

Hepatitis A, eine der bedeutendsten Nahrungsmittelinfektionen, ist in fast allen tropischen und subtropischen Regionen heimisch. Praktisch alle Einheimischen in diesen Ländern sind mit Erreichen des Schulalters bereits mit diesem Virus in Kontakt gekommen und dann immun.

Da das Hepatitis A-Virus mit dem Stuhl ausgeschieden wird, ist das Vorkommen aufs engste mit den hygienischen Bedingungen, also Wasser-, Abwasser- und Abfallhygiene, verbunden. Das Hepatitis A-Virus ist gegen Umwelteinflüsse und Temperaturen bis zu 80° C sehr resistent.

In den Hepatitis A-Endemiegebieten wird die Infektion vorrangig im Kindesalter erworben, die Erkrankung verläuft meist ohne wesentliche klinische Symptomatik, hinterlässt jedoch einen lebenslangen Schutz.

Bei Verbesserung der hygienischen Situation – wie es beispielsweise im europäischen Raum im Laufe der letzten 50 Jahre der Fall war – fällt im Laufe der Zeit die Durchseuchung im frühen Kindesalter weg, und die Infektionswahrscheinlichkeit verschiebt sich in das höhere Lebensalter.

Ganz besonders wichtig erscheint es, darauf hinzuweisen, dass die Ausscheidung des Virus im Stuhl zu einem Zeitpunkt am größten ist, an dem der „Patient" noch weitgehend beschwerdefrei ist und von seiner Erkrankung noch nichts weiß. Dies ist auch der Grund dafür, dass in Regionen mit niedriger Hepatitis A-Durchseuchung die Möglichkeit von epidemischen Ausbrüchen sehr hoch ist. Leider kommt es auch in Österreich immer wieder zu Kleinraumepidemien in Kindergärten und Schulen, ganz besonders nach der Reisezeit.

Eine Hepatitis A stellt auf jeden Fall eine äußerst unangenehme Erkrankung dar, der jedoch sehr leicht vorgebeugt werden kann.

Das Risiko einer Reisehepatitis hängt von der allgemeinen hygienischen Infrastruktur der bereisten Region ab und vom persönlichen Reisestil. Nach internationalen Untersuchungen bewegt sich das Krankheitsrisiko zwischen 1: 10.000 und 1:50 für einen Monat Aufenthalt. Die regionale Risikoabschätzung ist im Tabellenwerk zur länderspezifischen Reiseprophylaxe angegeben.

Impfstoffe

Die derzeitigen Impfstoffe gegen Hepatitis A sind TotImpfstoffe, d.h. abgetötete Viren werden verimpft. Zusätzlich sind diese Viren an Aluminiumhydroxid adsorbiert, um die Impfwirkung zu verstärken.

Folgende Produkte sind zur Zeit erhältlich:

Impfstoff

Produktname und Hersteller

Kinderimpfstoffe:

Hepatitis A

(Ganzvirus; TOT)

Havrix Junior (GSK)

Hepatitis A plus B

Twinrix Kinder (GSK)

Erwachsenenimpfstoffe

Hepatitis A

Avaxim (SPMSD)

Havrix 1440 (GSK)

Hepatitis A plus B

Twinrix Erwachsene (GSK)

Hepatitis A plus Typhus

(Ganzvirus,TOT plus Polysaccharid, TOT)

Hepatyrix (GSK

Viatim (SPMSD)

Impfung

Reine Hepatitis A-Impfstoffe werden zweimal im Abstand von 6-12 Monaten gegeben. Bereits nach der ersten Impfung sind über 95% der Patienten  zuverlässig geschützt. Nach der zweiten Impfung kann man davon ausgehen, dass bei gesunden Personen der Schutz lebenslang anhält. Trotzdem wird eine serologische Prüfung der Immunität nach 10 Jahren angeraten.

Kombinierte Hepatitis A-Hepatitis B Impfstoffe werden – und das ist auf die Hepatitis B Komponente zurückzuführen – dreimal gegeben: Einen Monat nach der ersten Impfung erfolgt die zweite Impfung, nach 6-12 Monaten die dritte Impfung. Die Schutzdauer für Hepatitis A ist dann ebenfalls lebenslang.

Die kombinierten Hepatitis A – Typhus – Impfstoffe sind analog den reinen Hepatitis A-Impfstoffen zu geben, wobei man aber darauf achten muss, dass die 2. Impfung ohne Typhuskomponente erfolgt, da gegen Typhus (siehe dort) nur 1 x geimpft wird.

Schutzrate

Liegt über 98%.

Schutzdauer

nach kompletter Impfung vermutlich lebenslang.

Nebenwirkungen

Lokale milde Nebenwirkungen sind möglich, ansonsten wird der Impfstoff nahezu perfekt vertragen.

Kontraindikationen

Kinder unter einem Jahr – dies ist eine relative KI, die nur besteht, weil zu dieser Altersgruppe keine ausreichenden Daten für eine Zulassung vorliegen.

Kombinierbarkeit

Mit allen Impfstoffen ohne zeitlichen Abstand.

Besondere Hinweise

Die aktive Immunisierung gegen Hepatitis A sollte zeitgerecht, d.h. mindestens 3 Wochen vor der Abreise erfolgen. Nur dann ist ein absolut sicherer Schutz auch gegen Infektionen, die z.B. schon unmittelbar nach Ankunft erfolgen, gewährleistet. Wird  näher zur Abreise geimpft, dann entsteht ein zeitliches Fenster, in dem der Schutz noch nicht so sicher ist.

Die Hepatitis A Impfung kann auch zur Intervention bei epidemischen Ausbrüchen eingesetzt werden:

Hepatitis A – postexpositionelle Prophylaxe

Zur Prophylaxe steht oft nur mehr die aktive Immunisierung mit TotImpfstoff (HAV-Impfung) – für Personen > 1 Jahr – zur Verfügung, wenn kein spezifisches Immunglobulin (HAV-Ig) mit definiertem AK-Gehalt gegen Hepatitis-A-Virus lieferbar ist.

Wenn ein spezifisches Immunglobulin gegen Hepatitis A (HAV-Ig) zur Verfügung steht, kann dieses zur postexponentiellen Prophylaxe verwendet werden. Es soll nicht später als bis zum 14. Tag nach der Exposition verabreicht werden. Personen, welche HAV-Ig erhalten, können zusätzlich auch die Impfung bekommen.

Zur Komplettierung des Impfschutzes wird eine Auffrischung je nach Impfstoff nach einem Jahr empfohlen.

Kombinierte HepatitisImpfstoffe werden zur postexpositionellen Prophylaxe nicht empfohlen.

Folgendes Vorgehen kann bei Kontakt mit diagnostisch gesichertem Krankheitsfall als sinnvolle Grundlage für die Beratung und Empfehlung dienen:

Art der Exposition

HAV-Ig

Impfung

Haushaltskontakt

 HAV-Ig

HAV-Impf

Sexualkontakt

HAV-Ig

HAV-Impf

Neugeborene von Erkrankten

HAV-Ig

HAV-Impf

Kleinkinderbetreuungsstätte

·                    für nicht immune Angestellte mit Kontakt

·                    Kinder im selben Raum bzw. mit gemeinsamer  Toilettenbenutzung

·                    deren Haushaltskontakte

 

HAV-Ig

HAV-Ig

--

 

HAV-Impf

HAV-Impf

HAV-Impf

Schule:

enge Kontaktpersonen1

Kontaktpersonen bzw. gemeinsame Toilettenbenützung

 

HAV-Ig

--

 

HAV-Impf

HAV-Impf

Kinderheime, Betreuungsinstitutionen, Kasernen etc.

            enge Kontaktpersonen1

            Kontaktpersonen bzw. gemeinsame Toilettenbenützung

 

HAV-Ig

--

 

HAV-Impf

HAV-Impf

Betreuungspersonal im Spital

--

--

Kleinepidemie im Spital

            enge Kontaktpersonen

            Kontaktpersonen bzw. gemeinsame Toilettenbenützung

 

HAV-Ig

--

 

HAV-Impf

HAV-Impf

Ausbruch durch Kontamination von Trinkwasser oder Lebensmitteln

--

HAV-Impf

 Auch bei der Hepatitis A - Impfung ist es möglich, nach erfolgter Impfung den Impferfolg zu prüfen. Dazu muss ein quantitativer Test auf Hepatitis A Antikörper durchgeführt werden: