Röteln

Erreger

Rötelnvirus, ein antigener Typ.

Infektionsquelle

Nasen-Rachensekret, Blut, Harn, Stuhl Rötelnkranker oder Infizierter, die keine Krankheitssymptome zeigen. Säuglinge mit angeborenen Röteln können das Virus monatelang ausscheiden.

Übertragung

Tröpfchen- und Schmierinfektion.

Inkubationszeit

14 bis 21 Tage.

Krankheitsbild

Nach einem kurzen Vorstadium mit allgemeinem Krankheitsgefühl beginnt sich ein Hautausschlag zunächst im Gesicht, später dann am ganzen Körper auszubreiten. Der Ausschlag ist kleinfleckig, hellrot und ohne Neigung zur Konfluenz (Unterscheidung von den Masern). Leichtes Fieber ist typisch, doch bei vielen Patienten fehlt das Fieber völlig. Zusätzlich treten Lymphknotenschwellungen auf (v. a. im Hals- und Kopfbereich, seltener in der Achselhöhle und Leistenbeuge). In 50% der Fälle tritt auch eine Milzschwellung auf. An sich sind die Röteln eine gutartige Erkrankung, es gibt allerdings unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit von schweren Komplikationen:

Angeborene Röteln

Erkrankt eine Frau in den ersten drei bis vier Monaten ihrer Schwangerschaft an Röteln, so ist, je früher die Erkrankung in der Schwangerschaft eintritt, die Gefahr höher, dass beim Embryo teilweise schwere Missbildungen auftreten. Die Chance, dass das Kind missgebildetist, beträgt bei Röteln am frühen Beginn (1. und 2. Monat) der Schwangerschaft bis zu 60% (!), sinkt im 3. Monat auf 10 bis 15% und ist nach dem 3. Schwangerschaftsmonat unter 1%. Ab dem 5. Schwangerschaftsmonat ist das Risiko von Missbildungen nur noch äußerst gering.

Die wichtigsten Missbildungen: Auge: Katarakt; Herz: Herzscheidewanddefekte, offener „Ductus Botalli“; Ohr: Taubheit; oft treten die genannten Defekte gemeinsam auf.

Komplikationen unmittelbar nach der Geburt

Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, Gehirnhautentzündung.

Diagnose

Aus dem Krankheitsbild (manchmal auch für erfahrene Kinderärzte nicht leicht), Erregernachweis aus div. Sekreten; Antikörpernachweis aus dem Blut.

Behandlung

Keine ursächliche Behandlung möglich.

Epidemiologie und Bedeutung

Eine der klassischen Kinderkrankheiten, sehr häufig und oft übersehen. Da die Erkrankung an sich harmlos ist, wird sie unterbewertet. Wenn allerdings ein Mädchen ohne Impfung oder ohne Erkrankung ins gebärfähige Alter kommt und dann schwanger wird und eben während der Schwangerschaft mit Röteln infiziert wird, so kommt es zu furchtbaren Tragödien, da das Risiko einer schweren Missbildung des Ungeborenen v. a. in der Frühschwangerschaft sehr hoch ist und damit eine Abtreibung aus medizinischer Sicht zu empfehlen ist.

Impfstoffe

1. Monokomponentenimpfstoff: attenuierter Lebendimpfstoff (Rubeaten®), das Impfvirus wird auf menschlichen Diploidzellen (Gewebekulturzellen) vermehrt. Derzeit nicht mehr lieferbar.

2. Kombinationsimpfstoffe: ebenfalls attenuiertes Lebendvirus, siehe Kombinationsimpfung Masern/Mumps/Röteln.

Impfung

Wird üblicherweise zusammen mit Masern und Mumps zweimal im Kindesalter (14. Lebensmonat und frühestens vier Wochen später, siehe Masern) verabreicht. Es gilt ansonsten das gleiche wie bei Masern und Mumps.

Bei jenen, nun schon jungen Damen, bei denen der neue Impfplan mit zweimaliger Masern/ Mumps/Röteln-Impfung noch nicht angewendet wurde, muss die Rötelnimpfung - vorzugsweise gleich als Kombination mit Masern und Mumps extra nochmals (bzw. erstmalig) vor dem 13. Lebensjahr durchgeführt werden. Bei jenen Mädchen, die nur einmalig geimpft wurden, sollte man den Impferfolg mittels Blutabnahme unbedingt überprüfen – und zwar kurz (etwa vier Wochen) nach der Impfung und nicht erst dann, wenn eine Schwangerschaft schon eingetreten ist!

Die Rötelnimpfung kann auch als „postexpositionelle“ Impfung gegeben werden: Wird innerhalb von 3 Tagen nach einem erfolgten Kontakt mit einem rötelnkranken Kind geimpft, so ist die Chance für eine Unterdrückung des Krankheitsausbruchs hoch. Achtung: Diese Vorgangsweise kann natürlich nicht für Schwangere empfohlen werden, da bei diesen die Impfung nicht während der Gravidität durchgeführt werden soll.

Schutzrate

Nach einer Impfung) etwa 95%. Fünf Prozent Impfversager sind entweder auf schlecht gelagerten Impfstoff oder auf Nichtansprechen auf die Impfung bei z. B. gleichzeitigen banalen Infekten zurückzuführen. Nur aus diesem Grund wird die Impfung bei Kindern bei Schuleintritt wiederholt, denn es soll die österreichische Bevölkerung zu 100% gegen Röteln (Masern/Mumps) geschützt werden!

Schutzdauer

Wenn die Impfung wirksam ist, vermutlich das ganze Leben.

Nebenwirkungen

Auch hier kann es wie bei Masern zu so genannten „Impfröteln“ kommen: flüchtiger Hautausschlag, leichtes Fieber, geringfügige Gelenkschmerzen, Lymphknotenschwellungen. Erscheinungen an der Impfstelle sind selten. In extrem seltenen Fällen kann es kurzzeitig zu einer Mitbeteiligung des peripheren Nervensystems kommen (Polyneuropathie). Alle Nebenwirkungen gelten als voll reversibel.

Besondere Hinweise

Bei der Masern/Mumps/Röteln-Kombinationsimpfung gelten alle Vorsichtsmaßnahmen und allgemeinen Hinweise, wie ebendort beschrieben.

Besonders darauf zu achten ist, dass Schwangere nicht vorsätzlich geimpft werden. Zwar ist bisher noch nie über einen Zwischenfall bei einer unabsichtlich in der Schwangerschaft Geimpften berichtet worden, aber einfach aus den theoretischen Möglichkeiten heraus wird man nicht vorsätzlich impfen. Passiert es aber trotzdem, so ist die Rötelnimpfung in der Schwangerschaft kein Grund zum Schwangerschaftsabbruch!

Vorgangsweise bei Rötelnkontakt einer nichtimmunen Schwangeren

Bisher war es üblich, zumindest bis zum Ende des ersten Trimenons bei einer (vermutlich) nicht immunen Graviden bei suspektem Rötelnkontakt RÖTELNHYPERIMMUNGLOBULIN (Antikörperpräparat) zur passiven Immunisierung zu geben.

Dies ist praktisch obsolet.

Das Rötelnhyperimmunglobulin verhindert die Infektion nicht zuverlässig und verfälscht zudem jedwede nachfolgende Diagnostik so nachhaltig, dass man dann nicht weiß, ob jetzt die Schwangere doch Röteln hat oder nur Antikörper vom Immunglobulinpräparat, es gibt also dann keine Entscheidungsgrundlage für eine weitere Vorgehensweise.

Derzeit wird folgendes empfohlen (H. Holzmann, Virolog. Institut, Vorlage im Impfausschuss des Obersten Sanitätsrates der Republik):

  1. Sofortige Testung der möglicherweise rötelnkranken Kontaktperson und der Schwangeren auf Immunität.
  2. Sofortiges Verbot für die Schwangere, mit der Verdachtsperson zusammenzutreffen.
  3. Ergibt der Test bei der Schwangeren keine Immunität, so wird man bis zum Ende des ersten Trimenon zum Abbruch (wegen der hohen Missbildungswahrscheinlichkeit für das Ungeborene) raten (oder: siehe Punkt 5).
  4. Ist die Schwangerschaft weiter fortgeschritten: ein aufklärendes Gespräch über das Restrisiko einer Missbildung mit dem Arzt, und entweder Abbruch oder engmaschige Kontrolle der Schwangerschaft und Austragen des Kindes (oder: siehe Punkt 5).
  5. Nur wenn aus persönlichen moralischen Gründen ein Abbruch für die Schwangerschaft einfach nicht in Frage kommt, dann Hyperimmunglobulin, denn es ist immer noch besser, als gar nichts zu tun.

Für Masern, Mumps und für Röteln gilt in gleicher Weise, dass bei klinischer Diagnose die „Trefferquote“ nur in einer Größenordnung von etwa 50% liegt. Anamnestische Angaben, womöglich nur von der Mutter verifiziert, dass das Kind ohnedies „alle Kinderkrankheiten schon gehabt habe“ sollten sehr kritisch hinterfragt werden. Wenn auch nur der leiseste Zweifel besteht, dann darf nicht auf die Impfung verzichtet werden. Impft man jemanden mit dem Dreikomponentenlebendimpfstoff und er besitzt gegen eine oder mehrere Komponenten schon eine natürliche Immunität oder eine alte Impfimmunität, so ist eine erneute Impfung völlig bedenkenlos: Die bereits vorhandenen Antikörper inaktivieren dann einfach das Impfvirus – genauso, wie es auch geschehen würde, wenn ein Geimpfter Kontakt mit dem Wildvirus hat. Ein „Überimpfen“ bei Masern/Mumps/Röteln ist also unmöglich!