Tollwut

Erreger

TOLLWUT-VIRUS (Rhabdo-Virus).

Infektionsquelle

Infizierte, wildlebende Fleischfresser, d. h. Füchse, Hunde, Katzen, Schakale, Affen, ev. Fledermäuse

Übertragung

Biss oder Hautkontakt (Das Virus wird im Speichel des infizierten Tieres ausgeschieden!).

Inkubationszeit

Sehr unterschiedlich zwischen 15 bis 90 Tagen (maximal 12 Monate).

Krankheitsbild

Die Tollwut beginnt sehr uncharakteristisch mit Fieber, Übelkeit, Erbrechen, Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Schmerzen an der Bissstelle, Angstzuständen, Schlaflosigkeit, Depressionen oder Erregungszuständen. Diese Beschwerden dauern zwei bis zehn Tage.

Da sich das Tollwutvirus entlang der Nervenbahnen ins Gehirn verbreitet und sich dann dort vermehrt, treten in der Folge neurologische Beschwerden auf:

Hyperventilation (übersteigerte Atemtätigkeit, „Hecheln"), Zeichen des Sauerstoffmangels, Sprachunfähigkeit, Lähmungen, Wasser- und Lichtscheu, Stimmritzenkrampf („zugeschnürte Kehle"), Verwirrtheitszustände, Halluzinationen, Unruhe, Bewegungsdrang.

Diese Beschwerden dauern zwei bis sieben Tage und werden bei vollem Bewusstsein durchlitten.

Nach der neurologischen Phase fällt der Erkrankte ins Koma. Trotz aller intensivmedizinischen Maßnahmen ist der Tod nicht vermeidbar. Es treten Herzrhythmusstörungen, Herz- und Atemstillstand ein.

WENN SYMPTOME DER ERKRANKUNG AUFGETRETEN SIND, NIMMT DIE KRANKHEIT IHREN SCHICKSALSHAFTEN, TÖDLICHEN VERLAUF.

Es wurde bisher erst ein Fall einer überlebten Tollwuterkrankung beschrieben.

Diagnose

Die Diagnose der Erkrankung wird zumeist klinisch gestellt. Besonders wichtig ist das Hinterfragen allfälliger Tierkontakte in einem Tollwutgebiet, Art des Kontaktes (Bissverletzung, Ablecken) und Verhalten des Tieres.

Im späteren Krankheitsverlauf kann das Virus durch spezielle Methoden im Speichel oder im Hornhautabstrich nachgewiesen werden.

Behandlung

Es gibt keine Behandlung der Tollwut.

Die einzige lebensrettende Maßnahme ist die sofortige Impfung nach einem tollwutverdächtigen Tierkontakt!

Bedeutung und Vorkommen

Verbreitungskarte der Tollwut (mit Genehmigung von Novartis)

Tollwutverbreitung Weltkarte (Stand 2010)

In Europa konnte die Tollwut durch groß angelegte Impfaktionen für Füchse weitgehend zurückgedrängt werden.

Weltweit sterben rund 50.000 Menschen jährlich an der Tollwut, im Jahr 1984 wurden mehr als 3,7 Millionen Menschen nach einem Tierbiss gegen Tollwut geimpft.

Stellen in Europa Füchse die größte Infektionsquelle dar, so sind es in den tropischen und subtropischen Regionen überwiegend Hunde, die es fast immer und überall in großen Mengen gibt.

Damit hat die Tollwut zwei große epidemiologische Formen: die sylvatische Wut (Zyklus Fuchs-Fuchs und sehr selten einmal ein anderes Tier oder der Mensch) und die urbane Wut (Zyklus Haushund-Haushund und viel häufiger der Mensch, der mit dem domestizierten Tier ja in engem Kontakt lebt!). Letztere ist vor allem in den Tropen der vorherrschende Typ.

Impfstoff

PCEC-Impfstoff (Rabipur®): auf Hühnerembryonen gezüchtetes, inaktiviertes Tollwutvirus (Stamm Flury LEP), enthält Spuren von Antibiotika.

Impfstoffe Produktname und Hersteller
Kinderimpfstoffe = Erwachsenenimpfstoffe
Tollwut (Ganzvirus; TOT) Rabipur (Novartis)

Rabipur (Novartis)

Impfung

Vorbeugende Impfung: Je eine Impfdosis (in den Oberarmmuskel) am Tag  0,7 und 28 (evtl. 21), damit ist die Immunisierung abgeschlossen. Weitere Impfungen, egal ob vorbeugend oder postexpositionell, gelten nach erfolgter Grundimmunisierung immer als Auffrischung, egal, wie lange die Grundimmunisierung zurückliegt.

Tollwutprophylaxe postexpositionell

Die WHO hat den Tollwut-Expositionsgrad und die daraus sich ergebenden Folgen für Ungeimpfte zusammengefasst:

Hier eine vereinfachte Darstellung:

Indikationen für die postexpositionelle Tollwutimmunprophylaxe (klass. Tierkontakte)

Praktisches Vorgehen nach möglicher Exposition:

Vorgehen nach Tollwutexposition bei bereits früher geimpften Personen

(Achtung: dies bezieht sich auf die Fachinformation des Rabipur® und ist daher für Österreich aus forensischen Gründen bindend, steht aber teilweise im Gegensatz zu WHO-Empfehlungen!):

Bereits vollständig geimpfte Personen

Bei WHO Expositionsgrad II und III, sowie bei Expositionsgrad I sofern dieser nicht genau klassifiziert werden kann sollen 2 Dosen (je 1 ml) verabreicht werden, je 1 an den Tagen 0 und 3. Im Einzelfall kann Schema A (siehe Tabelle 2 unten) angewendet werden, wenn die letzte Impfung mehr als 2 Jahre zurückliegt.

Postexpositionelle Behandlung bei ungeimpften Personen oder Personen mit ungewissem Impfstatus

Schema A

Voraussetzung: Entsprechend dem Expositionsgrad ist nur die aktive Immunisierung nach Exposition erforderlich.

Je eine Dosis Rabipur i.m. an den Tagen: 0, 3, 7, 14, 28 (5-Dosen Schema)
oder
Je eine Dosis Rabipur in den rechten und linken Musculus deltoideus am Tag 0, sowie je 1x an den Tagen 7 und 21, jeweils in den Musculus deltoideus (2-1-1 Schema).
Bei kleinen Kindern sollte der Impfstoff in den Oberschenkel verabreicht werden.

Schema B

Voraussetzung: Es ist entsprechend dem Expositionsgrad eine aktive und passive Immunisierung nach Exposition erforderlich:

Rabipur nach Schema A und 1 x 20 I.E./kg Körpergewicht Tollwut-Immunglobulin vom Menschen
gleichzeitig mit der 1. Rabipur-Impfung. Sollte zum Zeitpunkt der ersten Impfung kein humanes Tollwut-Immunglobulin verfügbar sein, darf es nicht später als 7 Tage nach der ersten Impfung angewendet werden.

Insbesonders innerhalb des ersten Jahres nach Grundimmunisierung entspringt die Empfehlung zur postexpositionellen Nachimpfung einem extremen Sicherheitsbedürfnis und ist vermutlich nur aus forensischen Gründen nötig. Ist also ein Fernreisender fernab einer möglichen Nachimpfung oder es kann diese nur mit einem alten Impfstoff oder unter zweifelhaften Allgemeinbedingungen durchgeführt werden, so kann aus rein pragmatischen Gründen diese Impfung entfallen oder zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Schutzrate

Praktisch 100 %.

Schutzdauer

Drei bis fünf Jahre nach kompletter dreiteiliger Grundimpfung, zur Festlegung des exakten routinemäßigen Auffrischungszeitpunktes ist eine Titerkontrolle empfehlenswert.

Nebenwirkungen

Die Impfung ist ausgezeichnet verträglich, selten treten leichte Lokalreaktionen auf. Gelegentlich sind auch leicht fieberhafte Reaktionen möglich

Besondere Hinweise

Die Tollwutimpfung ist mit allen anderen Impfungen ohne zeitliche Abstände durchführbar.

Die verschiedenen handelsüblichen modernen Impfstoffe sind gegeneinander austauschbar, d.h. wenn man mit einem Impfstoff angeimpft ist, kann man mit einem anderen Impfstoff weiterimpfen (wichtig, wenn z.B. im Ausland eine Tollwutimpfung begonnen wurde und dann in Österreich fortgesetzt werden muss)

Bei Vorliegen einer Hühnereiweißallergie sollte der hühnereiweißfreie Impfstoff verwendet werden.

Bei akut fieberhaften Erkrankungen sollte die vorbeugende Impfung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

WICHTIGER HINWEIS: ÖSTERREICH IST SEIT 2008 OFFIZIELL TOLLWUTFREI!!!

FÜR DIE TOLLWUTIMPFUNG NACH KONTAKT (POSTEXPOSITIONELLE IMPFUNG = THERAPIE) GIBT ES KEINE GEGENANZEIGEN.

Auch in der Schwangerschaft ist die Durchführung der Tollwutimpfung möglich.

Allen Reisenden sollte die Bedeutung der Tollwut bewusst gemacht werden. Eine vernünftige Verhaltensweise ist mit Sicherheit die beste Vorbeugung, die man sich vorstellen kann. Tierliebe ist eine sehr positive Charaktereigenschaft, sollte sich aber auf Reisen in Grenzen halten, denn:

JEDER TIERKONTAKT (BISS, ABER AUCH ABSCHLECKEN BEI NICHT INTAKTER HAUT) MUSS ALS TOLLWUTVERDÄCHTIG EINGESTUFT WERDEN!

Das bedeutet, dass auf schnellstem Wege eine Tollwutimpfung begonnen werden muss.

Leider ist in vielen Ländern der Zugang zu modernen, gut verträglichen Impfstoffen nicht nur schwer möglich, sondern überhaupt unmöglich.

In speziellen Situationen wird es jedoch erforderlich sein, sehr wohl die vorbeugende Tollwutimpfung durchzuführen. Klassische Hochrisikokandidaten für unliebsame Tierkontakte sind Rad- und Motorradfahrer, werden sie doch gerne von streunenden Hunden angefallen. Auch Personen, die im tiefen Hinterland, fernab jeglicher medizinischer Versorgung unterwegs sind, sollten an die vorbeugende Impfung denken.

Die modernen Tollwutimpfungen sind ausgezeichnet verträglich, schützen hervorragend und werden – wie alle anderen Impfungen – am Oberarm gegeben. Es gibt ein halbes Dutzend Hersteller moderner Vakzinen, die allesamt sehr ähnlich sind. Das bedeutet auch, dass alle modernen Gewebekulturimpfstoffe in einem Impfschema mischbar sind (d. h. man fängt mit einem Impfstoff an und impft mit einem anderen weiter!) In unseren Breiten sind die Zeiten der unangenehmen, in die Bauchdecken gegebenen, sehr schlecht verträglichen Tollwutimpfungen längst vorbei (was in vielen Regionen jedoch nicht der Fall ist!).

Aufgrund der fast weltweiten Verbreitung der Tollwut sollte im Zuge der reisemedizinischen Beratung dem Thema der Tollwut großer Wert beigemessen werden.

Die vorbeugende Tollwutimpfung ist sicher eine vernünftige Maßnahme, der breite Einsatz der Impfung wird jedoch durch den schmerzlich hohen Preis (pro Teilimpfung mehr als € 70,–) verhindert. Aus diesem Grund muss die Indikation für die Impfung als Teil der Reisevorbereitung in einem persönlichen Gespräch unter genauer Berücksichtigung der individuellen Risikosituationen gestellt werden.