(Meningitis epidemica, eitrige Gehirnhautentzündung)
Erreger:
Meningokokken, d. h. gramnegative Bakterien (Neisseria meningitidis)
Infektionsquelle:
Gesunde Bakterienträger, die die Keime im Nasen-Rachenraum beherbergen, Erkrankte
Übertragung:
Tröpfcheninfektion (d. h. Husten und Niesen)
Inkubationszeit:
2 bis 10 Tage
Krankheitsbild:
Die Erkrankung beginnt mit uncharakteristischen Allgemeinbeschwerden, dann treten zunehmende, schwer behandelbare Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, hohes Fieber, Nackensteife und Bewusstseinsstörungen bis zur Bewusstlosigkeit auf. Zusätzlich besteht bei schweren Verläufen meist auch ein Hautausschlag. Der Erkrankungsbeginn kann dramatisch sein und innerhalb weniger Stunden zur Bewusstlosigkeit führen.
In schwersten Fällen der Meningokokken-Erkrankung kann es innerhalb weniger Stunden zum Tod durch Herz-Kreislaufversagen bei massivsten Blutgerinnungsstörungen kommen (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom).
Diagnose:
Die Diagnose wird durch die Lumbalpunktion (Kreuzstich) gestellt. Einerseits findet man die massiv entzündlich veränderte Rückenmarksflüssigkeit, andererseits kann man direkt durch entsprechende Färbemaßnahmen die Erreger nachweisen. Außerdem kann der Erreger auch in der Kultur nachgewiesen werden.
Behandlung:
Der wichtigste Faktor für den Ausgang der Erkrankung ist der rasche Einsatz einer Antibiotikatherapie (Penicilline, Cephalosporine). Zusätzlich sind meist auch intensiv-medizinische Maßnahmen erforderlich. Der Ausgang der Erkrankung ist im Wesentlichen vom raschen Einsatz einer adäquaten Therapie abhängig. Tödliche Ausgänge liegen im Rahmen von fünf bis zehn Prozent, selbst bei raschem und richtigem Therapieeinsatz. Fehlt der Zugang zu einer vernünftigen medizinischen Versorgung, so steigt dieser Prozentsatz rapid an (60 bis 80 Prozent).
Bedeutung und Vorkommen:
Meningokokken kommen weltweit vor, Bedeutung für das Auftreten von Epidemien haben Meningokokken der Gruppe A, B, C, W und Y.
Im europäischen Raum spielen bei der Meningitis epidemica Erreger der Gruppe B die bedeutendste Rolle.
Klassische Hochrisikogebiete in Afrika sind die Sahel-Zone, aber auch die ostafrikanische Seen-Platte (z. B. Tansania) sowie auch Nordafrika. Auch im Nahen Osten und in Saudi-Arabien ist diese Erkrankung heimisch, desgleichen sind auch Ausbrüche aus Nepal und Delhi bekannt.
Für das Auftreten von Epidemien spielen einerseits klimatische Bedingungen (kalte, trockene Perioden), andererseits auch soziale Faktoren eine bedeutende Rolle. Meningokokken-Meningitis-Epidemien werden – aufgrund der Übertragung als Tröpfcheninfektion – begünstigt, wenn viele Menschen auf engstem Raum unter schlechten Bedingungen zusammenkommen. Dies gilt im Besonderen auch für Flüchtlingslager, aber auch für die Zeit der Pilgerfahrten nach Mekka.
Zur Vorbeugung der Meningokokken-Meningitis steht ein ausgezeichnet verträglicher Impfstoff, der vor den Stämmen A, C, W135 und Y schützt, zur Verfügung.
Leider gibt es noch keinen Impfstoff gegen die in Europa vorkommenden Meningokokken der Gruppe B. Aus diesem Grund ist es sinnvoll und erforderlich, falls ein länger dauernder Kontakt mit einem Erkrankten bestanden hat, eine dreitägige Antibiotika-Prophylaxe zu empfehlen. Das bedeutet, dass ein Antibiotikum (z.B. Rifoldin oder Ciproxin) eingenommen wird, um die Besiedlung des Nasen-Rachenraumes und somit einen möglichen Krankheitsausbruch zu verhindern. Diese Maßnahme ist jedoch nur bei engstem Kontakt, z. B. für Familienangehörige, erforderlich.
Seit kurzem gibt es in Österreich konjugierte Meningokokken C-Impfstoffe im Handel. Diese Impfstoffe sind speziell für die Impfung von Kleinkindern empfohlen, allerdings, da Meningokokken C in Österreich selten sind, ist der Nutzen dieser Impfstoffe eingeschränkt. Einige europäische Staaten (Großbritannien, Spanien, Portugal, Irland, Niederlande, Belgien, Teile von Kanada und Frankreich) haben aber viele Fälle von Meningokokken-C, weshalb vor allem im Rahmen von Sprachferien und Schüleraustausch eine Impfung durchaus sinnvoll ist.
Tritt ein Fall von Meningokokken-Meningitis im Familienverband oder z.B. in einer Gemeinschaftseinrichtung auf, so kann man eine eventuelle Ausreitung nicht durch eine Imfpung, sondern nur durch eine „Umgebungsprophylaxe“ bekämpfen, die mit Antibiotika erfolgt. Das Vorgehen ist in der nachfolgenden Tabelle beschrieben:
Chemoprophylaxe bei Meningokokken-Erkrankungen
Lj = Lebensjahr, Lm = Lebensmonat
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Chemoprophylaxe |
Dosierung |
absolute Kontraindikationen |
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Rifampicin p.o. Eremfat® Rifoldin® Rimactan® |
Erwachsene: 2x 600mg tgl. p.o. > 1. Lm – 12. Lj: 2x 10mg/kg KG tgl. p.o. < 1. Lm 2x 5mg/kg KG tgl. p.o. Therapiedauer: 2 Tage |
Akute Hepatitis, Verschlussikterus, schwere Leberschäden, Gravidität, Stillperiode |
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Ciprofloxacin Ciproxin® |
500mg p.o. als einmalige Dosis Für Kinder und Jugendliche < 18. Lj wird Ciprofloxacin nicht empfohlen, kann jedoch bei Vorliegen einer Kontraindikation gegenüber anderen Antibiotika ausnahmsweise gegeben werden: > = 20kg Körpergewicht 500mg p.o. als einmalige Dosis < 20kg Körpergewicht 20 – 30mg/kg in zwei Dosen über den Tag |
Gravidität, Überempfindlichkeit gegenüber Ciprofloxacin und anderen Chinolonen |
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Ceftriaxon Rocephin® |
250mg i.m. einmalig >12 Lj: 125mg i.m. einmalig |
Überempfindlichkeit gegenüber Penicillin, Cephalosporinen oder Lidocain, Neugeborene mit Bilirubin-Encephalopathie-Risiko |
Impfstoffe:
Grundsätzlich wird gegen Meningokokken mit so genannten Kapselpolysacchariden (große Zuckermoleküle in der Zellmembran des Erregers) geimpft. Diese Polysaccharide werden entweder alleinig (unkonjugierte Impfstoffe) oder an ein Trägerprotein geheftet (konjugierte Impfstoffe) verwendet.
Konjugierte Impfstoffe haben nun den Vorteil, dass sie das Immunsystem besser stimulieren und auch zu einem immunologischen Gedächtnis führen. Das ist v.a. bei Kindern von Bedeutung, da das Immunsystem bei unter 2-jährigen auf die nichtkonjugierten Impfstoffe praktisch nicht reagiert. Sie haben aber den Nachteil, dass man damit nur gegen einen einzigen Meningokokkenstamm impfen kann, nämlich die Gruppe C.
Die nichtkonjugierten Impfstoffe sind hingegen 4-fach Impfstoffe, d.h. sie schützen gegen 4 Meningokokken-Stämme. Dafür sind sie etwas schlechter wirksam.
Mit Anfang 2005 wurde in den USA ein 4-fach Konjugatimpfstoff zugelassen (A,C,W135,Y; Handelsname Menactra®).
Seit März 2010 ist in Europa ein Vierfachkonjugatimpfstoff gegen Meningokokken (ACWY) unter dem Namen Menveo im Handel. Die Konjugatimpfung ist dem bisherigen nichtkunjugierten Impfstoff in allen Parametern betreffs Wirksamkeit und Verträglichkeit überlegen und sollte daher diesen ersetzen. Menveo ist in Europa ab dem 11. und bis zum 55. Lebensjahr derzeit zugelassen. Bereits im nächsten Jahr wird mit einer Zulassung für Kleinkinder gerechnet.
Gegenübergestellt die wichtigsten Eigenschaften der Impfstoffe:
| Eigenschaft | Polysaccharid - Impfstoff | Konjugat-Impfstoff |
| Wirksam in Säuglingen und Kleinkindern | Nein | Ja |
| Ausbildung eines Immungedächtnisses (Memory) | Nein | Ja |
| Verlängerte Schutzdauer | Nein | Ja |
| Möglichkeit der Auffrischimpfung (Booster) | Nein | Ja |
| Reduktion der Trägerrate | Nein | Ja |
| Aufbau von Herdenimmunität | Nein | Ja |
| ‘Hyporesponsiveness’ (verminderte Immunantwort bei wiederholter Impfung/Boosterung) | Ja | Nein |
Zugelassene Meningokokkenimpfstoffe in Österreich
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IMPFSTOFF |
PRODUKTNAME und HERSTELLER |
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KINDERIMPFSTOFFE |
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Meningokokken C (Polysaccharid, TOT, konjugiert) |
NeisVac C (Baxter)
Meningitec (Pfizer) Menjugate (Novartis) |
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Meningokokken A,C,W135,Y (Polysaccharid, TOT) ab vollendetem 2. Lebensjahr |
Mencevax (GSK) |
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ERWACHSENENIMPFSTOFFE |
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Meningokokken A,C,W135,Y(Polysaccharid, TOT) |
Mencevax (GSK) |
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Meningokokken A,C,W135,Y(Polysaccharid, konjugiert, TOT) |
Menveo (Novartis) |
Impfschema:
Meningokokken-Impfschema in Abhängigkeit vom Alter bei der Erstimpfung | |||
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Erstimpfung | Impfung im | ||
| 1. Lj | 2. Lj | 11.-13. Lj** | |
| im 1. Lebensjahr | 2x MEC* | 1x MEC | 1x MEC |
| im Alter von 1 bis 10 Jahren |
| 1x MEC | 1x MEC |
| ab dem 11. Lebensjahr |
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| 1x MEC |
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| * 8 Wochen Abstand zwischen den MEC-Impfungen | ||
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| ** Die Impfung ab dem 11. Lebensjahr soll den 2. Erkrankungsgipfel im Jugendalter (14-16 Jahre) berücksichtigen. Für diese Altersgruppe kann auch – ab Verfügbarkeit - der tetravalente ACWY-Konjugatimpfstoff verwendet werden | ||
Impfung:
Einmalige subkutane Injektion.
Impfindikation im Impfplan 2010 (außer (Fern-)Reisen)
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Impfung gegen Meningokokken Die Impfung gegen Meningokokken ist jedem, der sich schützen will, und besonders Jugendlichen vor Eintritt in eine Gemeinschaftswohneinrichtung (Studentenwohnheim, Kaserne u. ä.) anzuraten.
Indikationsimpfung Eine Impfung kann unter Berücksichtigung der Empfehlungen der Sanitätsbehörden bei Epidemien durch im Impfstoff enthaltene Stämme neben der antibiotischen Prophylaxe für gefährdete Personen empfohlen werden. Indiziert auch für exponiertes Personal (Labor, Intensivstation, Pädiatrie) sowie für gesundheitlich gefährdete Personen (mit Immundefekt, vor allem Komplement-/Properdindefekte, Hypogammaglobulinämie, Asplenie).
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Anwendungshinweise: Zur Verfügung stehen monovalente konjugierte Impfstoffe gegen Meningokokken C (MEC) ab dem vollendeten 2. Monat und ein tetravalenter (ACW135Y) Polysaccharid-Impfstoff (MEN) für Kinder ab dem vollendeten 2. Lebensjahr und Erwachsene. Im Jahr 2010 wird voraussichtlich ein 4-fach ACWY-Konjugatimpfstoff (ab 11 Jahre) zugelassen und verfügbar sein. Die Impfung mit dem konjugierten monovalenten Impfstoff ist ab dem vollendeten 2. Lebensmonat möglich. § Bei Impfung im 1. Lebensjahr sollen zwei Dosen des Impfstoffs in einem Abstand von 8 Wochen verabreicht werden; eine weitere (3.) Impfung sollte im 2. Lebensjahr erfolgen. § Falls die Erstimpfung erst nach Vollendung des 1. Lebensjahres durchgeführt wird, erfolgt diese mit 1 Dosis. § Eine zusätzliche Dosis sollte im 11.-13. Lebensjahr gegeben werden[1]. Dafür kann ab Verfügbarkeit der neue 4-fach ACWY Konjugatimpfstoff verwendet werden. Die Erstimmunisierung sollte mit einem konjugierten Meningokokken-Impfstoff (entsprechend der Fachinformation) erfolgen und bei entsprechender Indikation (Risikopersonen, Reisende) nach einem Mindestabstand von zwei Monaten (jedoch frühestens nach Vollendung des 2. Lebensjahres) durch eine Impfung mit tetravalentem Impfstoff bzw. ab 11 Jahren ab Verfügbarkeit durch den tetravalenten ACWY-[1] Snape MD, DF Kelly, B Green, ER Moxon, R Borrow, AJ Pollard: Lack of Serum Bactericidal Activity in Preschool Children Two Years After a Single Dose of Serogroup C Meningococal Polysaccharide-Protein Conjugate Vaccine. Pediatr Infect Dis J 2005; 24: 128-131 |
Schutzrate:
konjugiert: nahezu 100%, nicht konjugiert: 75-90%
Schutzdauer:
Konjugiert: sehr lange, ev. lebenslang; nicht konjugiert: 3 bis 5 Jahre.
Nebenwirkungen:
Praktisch keine, sehr selten leichte Lokalreaktionen an der Impfstelle oder leichte Kopfschmerzen.
Besondere Hinweise:
Die Impfung kann mit allen Tot- und Lebendimpfungen ohne zeitliche Abstände verabreicht werden. Auch der Einsatz in der Schwangerschaft ist möglich. Bei Kindern unter zwei Jahren ist bei unkonjugierten Impfstoffen mit einer schlechten Immunantwort, also mit keinem zuverlässigen Schutz, zu rechnen. Es treten jedoch keine vermehrten Nebenwirkungen auf.
Die Impfung sollte bei akut fieberhaften Erkrankungen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.
Empfehlenswert ist die Impfung für alle Reisenden in die Hochrisikogebiete Afrikas (Sahel-Zone!). Zur Zeit der Pilgerfahrten nach Mekka ist die Impfung für die Einreise Pflicht!
Für die Verbreitungsgebiete in Nordafrika, im Nahen Osten und in Asien (Nepal, Delhi) gilt, dass die Impfung dann zu empfehlen ist, wenn enge Kontakte des Reisenden mit der einheimischen (möglicherweise keimtragenden) Bevölkerung zu erwarten sind, d. h. für sehr individualtouristische Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Nächtigung in Dörfern oder Langzeitaufenthalte). Nötige Impfungen sind daher individuell festzulegen.
Da die Milz in der Abwehr von bakteriellen Infektionen – wie z. B. Meningokokken-Infektionen – eine bedeutende Rolle spielt, wäre bei Personen mit fehlender Milz oder Funktionsstörung der Milz ebenfalls die Impfung zu überlegen.
Abschließend muss jedoch eindringlich darauf hingewiesen werden, dass die Meningokokken-Meningitis-Impfung NICHT vor eitrigen Gehirnhautentzündungen durch andere Erreger (Meningokokken anderer Gruppen, Pneumokokken, Hämophilus influenzae) und auch NICHT vor virusbedingten Gehirnhautentzündungen (z. B. FSME) schützt.
Es sinnvoll und erforderlich, falls ein länger dauernder Kontakt mit einem Erkrankten bestanden hat, eine dreitägige Antibiotika-Prophylaxe durchzuführen. Das bedeutet, dass ein Antibiotikum (zum Beispiel Rifoldin oder Ciproxin) eingenommen wird, um die Besiedlung des Nasen-Rachenraumes und somit einen möglichen Krankheitsausbruch zu verhindern. Diese Maßnahme ist jedoch nur bei engstem Kontakt, zum Beispiel für Familienangehörige, erforderlich.