Erreger:
Bordetella
Pertussis, ein Bakterium und dessen Toxine. Selten Bordetella parapertussis,
sehr selten Bordetella bronchiseptica und andere.
Infektionsquelle:
An
Pertussis Erkrankte (der Husten muss nicht typisch sein, bzw. im frühen
[katharrhalischen] Stadium nicht als Pertussis erkannt).
Übertragung:
Tröpfcheninfektion,
extrem ansteckend (nahezu 100 Prozent bei engem Kontakt).
Inkubationszeit:
3
bis 12 Tage.
Krankheitsbild:
Beim
Kind drei Stadien:
Prodromalstadium:
Mit Schnupfen, uncharakteristischem Husten, mäßigem Fieber, Dauer ein bis zwei
Wochen, sehr hohe Ansteckungswahrscheinlichkeit.
Anfallsstadium:
Typische Anfälle mit stakkatoartigen Hustenstößen bis zum Rot- oder
Blauwerden des Kindes, oft Erbrechen, mit folgendem ziehendem Einatmungsgeräusch.
Dieses Stadium zieht sich über mehrere Wochen.
Rekonvaleszenzstadium:
Anfälle seltener, treten aber noch wochen- bis monatelang auf.
Beim
Säugling ist das Krankheitsbild selten so typisch, im Vordergrund stehen Husten
und Schnupfen, allerdings treten wiederkehrende Atemstillstände (!) auf.
Beim
Erwachsenen meist unspezifischer oft nächtlicher starker Husten über mehrere
Wochen.
Komplikationen:
Apnoe (Atemstillstand), Sekundärinfektionen (z. B. bakterielle Lungenentzündung),
ARDS (Lungenversagen), Tod bei Säuglingen ca. ein Prozent.
Diagnose:
Aus
dem Krankheitsbild, mittels Blutuntersuchung auf Antikörper oder durch
Bakteriennachweis im Rachenabstrich.
Behandlung:
Antibiotika
(Makrolide) für 14 Tage, frühzeitig beginnen, schützt vor allem die
Kontaktpersonen, der Krankheitsverlauf wird nur beeinflusst, wenn sehr früh
begonnen wird.
Isolierung
bis fünf Tage nach Beginn der Antibiotikatherapie.
Epidemiologie
und Bedeutung:
Weltweit
zurzeit ca. 40 Millionen Fälle pro Jahr, davon ca. 350.000 tödlich. Die Todesfälle
betreffen zu drei Viertel Neugeborene und Säuglinge. Zu Beginn unseres
Jahrhunderts war Pertussis noch die häufigste Todesursache bei Kindern unter 14
Jahren.
In
Österreich werden unserem Überwachungssystem jährlich etwa 700 bis 1.000
Pertussisfälle gemeldet, bei Kleinkindern wird die Erkrankung durch die Impfung
seltener, dafür sehen wir eine dramatische Zunahme der Pertussis bei
Jugendlichen und Erwachsenen (siehe Abbildung). Nach deutschen Arbeiten ist mit
einer Inzidenz von etwa 130/100.000 pro Jahr zu rechnen, das würde für Österreich
eine Erkrankungszahl absolut von etwa 10.000 bedeuten. Die Dunkelziffer ist
demnach enorm hoch. Epidemien treten alle 3-5 Jahre auf.
Impfung:
Geschichte:
Vor
1994 war die Impfung einige Jahre nicht im österreichischen Impfplan empfohlen,
das hatte zum Ziel, die relativ häufigen Nebenwirkungen zu vermeiden, und die
Eltern bzw. Kinder nicht impfmüde zu machen. Als weiterer Nachteil wurde auch
diskutiert, dass nach Durchimpfung der Kinder noch die Erwachsenen als Reservoir
des Erregers bleiben und damit die Krankheit sicherlich nicht ausgerottet werden
kann.
Es
hat sich allerdings gezeigt, dass sich die Fälle von Keuchhusten und damit die
Komplikationen ohne Impfung vervielfachten, sodass beschlossen wurde, Pertussis
1994 wieder in den Impfplan aufzunehmen.
Früher
wurden Impfstoffpräparationen verwendet, die den ganzen Keim in abgetöteter
Form enthielten, so genannte Ganzkeim-Vakzinen, deren Verträglichkeit
allerdings nicht berühmt war. Seit 1996 ist ein wesentlicher Fortschritt
gelungen, nämlich azelluläre Pertussisimpfstoffe, die wesentlich seltener zu
unangenehmen Nebenwirkungen (siehe dort) führen, und daher umso sicherer
eingesetzt werden können.
In
Österreich gelangen heute nur noch azelluläre Vakzinen zum Einsatz (enthalten
nur zwei, respektive drei (herstellerabhängig) Bestandteile des Erregers:
Pertussis Toxoid, Filamentöses Hämagglutinin und Pertactin): Die
Keuchhustenimpfung wird im Säuglingsalter immer als Kombinationsimpfung mit
anderen Impfstoffen wie Diphtherie, Tetanus, Polio Salk, Haemophilus eingesetzt.
Siehe dazu auch Produktliste. Seit kurzem gibt es einen Pertussis-Impfstoff in
Kombination mit Diphtherie, Tetanus (plus Polio) für Jugendliche und
Erwachsene. Im Jahr 2005 wurde eindeutig bewiesen, dass die Pertussisimpfung
Erwachsener sehr gut wirksam ist und etwa 95% Schutz für mehrere Jahre
bedeutet.
Impfstoffe:
|
IMPFSTOFF |
PRODUKTNAME
und HERSTELLER |
|
KINDERIMPFSTOFFE: |
|
|
dTPEA |
Boostrix
(GSK) |
|
dTPEA/Polio |
Repevax
(SPMSD), Boostrix-Polio (GSK) |
|
Di/Tet/PEA/Polio |
Tetravac
(SPMSD) |
|
Di/Tet/PEA/Hib/Polio/Hep.B |
Infanrix Hexa (GSK) |
|
ERWACHSENENIMPFSTOFFE |
|
|
dTPEA |
Boostrix
(GSK) |
|
dTPEA/Polio |
Repevax
(SPMSD), Boostrix-Polio (GSK) |
Der
Erwachsenenkombinationsimpfstoff (siehe oben) soll nach der Empfehlung des
Impfausschusses ab der Saison 2002 zur Auffrischung bei Kindern und Erwachsenen
eingesetzt werden.
Applikationsart:
Streng
intramuskulär, bezüglich Injektionsort siehe allgemeiner Teil. Die subcutane
Applikation ist bei diesem Impfstoff mit Sicherheit mit einer erhöhten
Wahrscheinlichkeit deutlicher lokaler Reaktionen verbunden.
Impfschema
:
|
|
3.
Monat |
5.
Monat |
2.
Lebensjahr |
|
Diphtherie
(D) Tetanus Pertussis
Poliomyelitis Haemophilus
infl. B Hepatitis
B |
1. 6-fach Impfung |
2. 6-fach Impfung |
4. 6-fach Impfung |
Die Empfehlungen für Auffrischungen im Schulalter wurden imImpfplan 2010 aktualisiert.
Impfung
bei Erwachsenen:
|
25
Jahre |
35
Jahre |
45
Jahre |
55
Jahre |
60
Jahre |
65
Jahre |
70
Jahre |
75
Jahre u.s.w. |
|
DIP TET PEA |
DIP TET PEA |
DIP TET PEA |
DIP TET PEA |
DIP TET PEA |
DIP TET PEA |
DIP TET PEA |
DIP TET PEA |
Schutzrate:
Bei
Säuglingen und Kleinkindern wurden mehrfach Schutzraten zwischen 70 und 97%
gezeigt, wobei hier unterschiedliche Produkte und unterschiedliche
Studiendesigns offenbar für die beobachteten Differenzen verantwortlich waren.
Aus epidemiologischen Beobachtungen heraus liegt der Schluss nahe, dass die
Schutzrate der heutigen Pertussisvakzine bei
Kindern jenseits von 90% liegen dürfte.
Bei
Kindern zumindest 6-9 Jahre, bei Erwachsenen vermutlich etwas länger, bei
Senioren wieder etwas kürzer. Entsprechend wurden die Impfschemata angepasst.
Nebenwirkungen:
Die
früher verwendeten Ganzkeimimpfstoffe waren relativ schlecht verträglich, die
neuen azellulären Impfstoffe sind hingegen sehr gut verträglich. Wie bei allen
Impfstoffen dieser Machart sind auch hier vor allem lokale Reaktionen zu
erwarten. Diese liegen in der Häufigkeit und der Intensität in der gleichen Größenordnung
(2-15%) wie bei der Diphtherie oder Tetanusimpfung. Schwerere lokale Unverträglichkeiten
liegen in der Häufigkeit unter 1% und sehr oft treten solche Reaktionen im
Zusammenhang mit unsachgemäßer Impfung (nicht streng intramuskulär) auf.
Bemerkenswert sind gelegentliche gelenkübergreifende lokale Schwellungen im
Bereich der Injektion nach 1-3 Tagen, die sich aber rasch rückbilden und ungefährlich
sind.
Lokale
Schwellungen an der Injektionsstelle können ebenfalls auftreten, sie sind aber
nur kurzdauernd.
Vor
allem bei Säuglingen und Kleinkindern können kurzzeitige fieberhafte
Reaktionen auftreten, ferner Unruhe, Schreien und Müdigkeit.
Die
nach alten Ganzkeimvakzinen durchaus beobachteten fieberhaften Krampfanfälle
treten bei den modernen Vakzinen praktisch nicht mehr auf.
Oftmals
diskutiert wurde ein Zusammenhang der Keuchhustenimpfung mit dem plötzlichen
Kindestod (SIDS) und einer postvakzinalen Gehirnschädigung (Enzephalopathie)
Beide Verdachtsäußerungen konnten mittlerweile durch groß angelegte
Untersuchungen eindeutig entkräftet werden.
Erwachsene
tolerieren die Pertussisimpfung genauso gut wie eine Diphtherie oder
Tetanusimpfung.
Gegenanzeigen:
Fortschreitende
schwere neurologische Erkrankungen, akuter fieberhafter Infekt, nachgewiesene
Allergie auf einen der Bestandteile.