Erreger:
Der Erreger
heißt Streptokokkus pneumoniae, ist ein Bakterium, und es gibt mehr als 80
verschiedene Typen, die durch verschiedene Bestandteile der Bakterienkapsel
unterscheidbar sind. 23 derartige Typen sind für über 90% der Erkrankungen
verantwortlich.
Infektionsquelle:
Das
Erregerreservoir ist der Mensch, wobei das Alter, die Umgebung und der
Immunstatus das Trägertum beeinflussen. Die Erreger sind im Bereich der
Atemwege beheimatet.
Übertragung:
Tröpfcheninfektion.
Inkubationszeit:
Kann nicht
angegeben werden, da man entweder Träger ohne oder mit Symptomen ist.
Krankheitsbild:
Pneumokokken
leben in der Regel im Nasen-Rachenraum, ohne uns etwas anzutun. Prinzipiell können
aber alle Menschen erkranken, wobei einige Faktoren das Aufflackern einer
solchen Erkrankung begünstigen:
-
sehr junge Kinder oder Personen über 65 Jahre
-
Begleiterkrankungen wie grippale Infekte
-
Beeinträchtigungen des Immunsystems (z.B. durch
Medikamente)
- fehlende
Milz (nach Operation)
-
chronische Erkrankungen der Atemwege (z.
B. Asthma).
Es gibt
verschiedene Erkrankungsformen:
1. Lungenentzündung:
betrifft meist einen ganzen Lungenlappen und beginnt mit hohem Fieber, schwerem
Krankheitsgefühl, Husten, Rippenfellentzündung, Atemnot und kann als
Komplikation die Aussaat der Bakterien in den ganzen Körper haben und auch den
Herzbeutel betreffen. Das Unangenehme bei der Pneumokokken-Lungenentzündung ist
die Tatsache, dass sie so fulminant verläuft, dass auch eine sofortige
Behandlung mit Antibiotika oft den Tod des Patienten nicht mehr verhindern kann.
2. Akute
Mittelohrentzündung: dies ist eine Erkrankung, die vor allem bei
Kleinkindern auftritt und ausgehend vom Ohr dann schwere Komplikationen
hervorrufen kann: eitrige Gehirnhautentzündung oder Thrombose der wichtigsten
Hirngefäße.
3. Akute
eitrige Gehirnhautentzündung: hier ist die Sterblichkeitsrate enorm: 60 bis
80% der Patienten, die eine solche eitrige Gehirnhautentzündung entweder als
alleinige Manifestation oder im Rahmen einer an einem anderen Ort lokalisierten
Pneumokokkenerkrankung bekommen (Mittelohrentzündung, Lungenentzündung).
4. Weitere
schwere Pneumokokken-Erkrankungen können die Herzinnenhaut, das Bauchfell
(Bauchfellentzündung) und die Gelenke im Sinne einer Arthritis betreffen.
Diagnose:
Es wird
versucht, den Erreger direkt zu isolieren (aus Abstrichmaterial, aus
Blutkulturen etc.).
Behandlung:
Antibiotika.
Bedeutung
und Vorkommen:
Pneumokokkenerkrankungen
sind in Österreich mit Sicherheit sehr häufig, jedoch werden sie nur selten
wirklich als solche erfasst. Man schätzt, dass pro Jahr ca. 18.000 Fälle von
Lungenentzündung durch Pneumokokken auftreten. Da der Erregernachweis nicht
ganz einfach ist, vor allem, wenn die Patienten bereits mit Antibiotika
anbehandelt sind, ergibt sich die große Dunkelziffer. Angesichts der Schwere
und der Häufigkeit der Erkrankungen zählen Pneumokokkenerkrankungen zu den
wichtigsten Infektionserkrankungen in Österreich.
Impfstoffe:
Es handelt
sich um einen Totimpfstoff, der nur jene Bestandteile der Pneumokokken enthält,
die für die Auslösung einer schützenden Immunantwort nötig sind. Dies sind
die so genannten Kapselpolysaccharide. Der Impfstoff enthält 23 verschiedene
Typen von Kapselpolysacchariden und deckt damit etwa 90% der durch Pneumokokken
hervorgerufenen Erkrankungen ab. Außerdem gibt es seit 2003 einen konjugierten
Impfstoff, der sieben Serotypen enthält und der ganz speziell für Kleinkinder
unter fünf Jahren geschaffen wurde. Vor allem bei kleineren Kindern ist die
Immunantwort bei unkonjugierten Pneumokokkenimpfstoffen aufgrund einer
kindlichen Unreife des Immunsystems schlecht, weshalb man hier zum selben
immunologischen „Trick“ wie bei der Hämophilusimpfung gegriffen hat. Gegenwärtig
wird dieser konjugierte Impfstoff (7-valent; Handelsname: Prevenar®) für
Kinder auf Wunsch verabreicht, die hohen Kosten haben die allgemeine Einführung
bisher verzögert. Der Impfausschuss hat bereits die allgemeine Impfung
empfohlen, allerdings war zum Zeitpunkt der Drucklegung des Buches noch keine
definitive Entscheidung von seiten der Kostenträger gefallen.
Impfstoffe:
|
IMPFSTOFF |
PRODUKTNAME
und HERSTELLER |
|
KINDERIMPFSTOFFE
|
|
|
Pneumokokken
(Polysaccharid, TOT, konjugiert) |
Prevenar 13(Pfizer) Synflorix (GSK) |
|
ERWACHSENENIMPFSTOFFE |
|
|
Pneumokokken
(Polysaccharid, TOT, nicht konjugiert) |
Pneumo
23 Vaccine „Merieux“ (SPMSD) |
Impfung:
a)Konjugierter Impfstoff (PNC): Enthält zehn/dreizehn Serotypen (damit werden bis zu 80% der bei
Kindern vorkommenden Stämme abgedeckt). Altersabhängig bis zu 4 Teilimpfungen,
Schema untenstehend,.
Zur
Verhütung schwerer invasiver Pneumokokkenerkrankungen ist ein möglichst früher
Beginn der Impfserie (im 3. Lebensmonat) unbedingt anzuraten. Da in diesem Alter
eine schützende Immunität nur unzulänglich aufgebaut wird, sind 3 Dosen im
Abstand von mindestens einem Monat zu empfehlen. Bei späterem Beginn (nach dem
6. Lebensmonat) genügen 2 Dosen. Eine Boosterinjektion im 2. Lebensjahr ist zur
Komplettierung des Schutzes erforderlich.
|
Pneumokokken-Impfschema
in Abhängigkeit vom Alter bei der Erstimpfung |
||||
|
Erstimpfung |
Impfung
im Alter von |
|||
|
3.-6.
Monat |
7.-12.
Monat |
2.
Lj |
3.-5.Lj |
|
|
<
6 Monat |
2-3x
PNC* |
--- |
PNC |
--- |
|
7.-12.
Monat |
--- |
2x
PNC* |
PNC |
--- |
|
13.-24.
Monat |
--- |
--- |
2x
PNC** |
--- |
|
3.-5.
Lebensjahr |
--- |
--- |
--- |
PNC |
|
|
*
4 Wochen Abstand |
|||
|
|
--- |
--- |
**
8 Wochen Abstand |
|
PNC
= konjugierter polyvalenter Pneumokokkenimpfstoff
Die
konjugierte Pneumokokkenimpfung benötigt nach der Grundimmunisierung keine
weiteren Auffrischungsimpfungen.
Für
Kinder mit erhöhtem Risiko werden die Impfkosten von staatlicher Seite übernommen:
§
Angeborene oder erworbene Immundefekte wie z.B. Hypogammaglobulinämie
u.ä., funktionelle oder anatomische Asplenie,
§
Patienten mit Cochlea-Implantat oder Liquorfistel
§
vor Organtransplantation, nach
Stammzelltransplantation, bei nephrotischem
Syndrom, vor Beginn einer immunsuppressiven Therapie
§
HIV-Infektion
Chronische
Krankheiten wie z.B. Krankheiten der blutbildenden Organe, neoplastische
Krankheiten, Herz-Kreislauf-Krankheiten(Herzkreislaufkrankheiten
betreffen Kinder mit angeborenen Herzfehlern bei geplanter OP oder Säuglinge,
welche in ständiger Behandlung an einer kardiologischen Abteilung sind).
§
Krankheiten der
Atmungsorgane (Asthma,
wenn mindestens 3 Behandlungen wegen obstruktiver Bronchitis durchgeführt
worden sind),
§
Diabetes mellitus oder
andere Stoffwechselkrankheiten, Leberzirrhose, Niereninsuffizienz
§
Frühgeborene (Schwangerschaftsdauer bis 36 Wochen plus 6Tage),
Kinder mit niedrigem Geburtsgewicht (<2.500 g)
§
Säuglinge und Kinder mit Gedeihstörungen oder
§
neurologischen Krankheiten wie z.B. Zerebralparesen oder
Anfallsleiden.
Für
Hochrisikokinder ( die ersten vier Kathegorien wie oben beschrieben) ist
eine nachfolgende Ergänzung durch PNE empfohlen; ev. Wiederimpfung nach 3-5
Jahren.
Dzt.
ist die Pneumokokkenimpfung mit dem Konjugatimpfstoff nur für Risikokinder und
Hochrisikokinder kostenlos erhältlich. Wenn Eltern aus finanziellen Gründen
nicht alle vier ab dem 3. Monat empfohlenen Impfstoffdosen bezahlen können, ist
es besser die zweite Dosis im 4. Lebensmonat (und ev. auch die 4. Dosis im 2.
Lebensjahr) auszulassen, als die Erstimpfung auf einen späteren Zeitpunkt zu
verschieben, auch wenn dadurch nur ein inkompletter Impfschutz gegeben ist.
b) Unkonjugierte
Impfstoffe (PNE):
Es wird ein Mal geimpft, dann ist bei jungen Menschen ohne Grundkrankheiten oder gestörter Immunabwehr mit einer Schutzdauer von bis zu zehn Jahren zu rechnen. Eine erneute Impfung ist nach derzeitigem Stand des Wissens nicht sinnvoll, da Wiederholungsimpfungen zu einem verminderten Ansprechen führen (hyporesponsiveness).
Schutzrate:
Unkonjugierte
Impfstoffe:
60 bis 90% je nach
Alter, bestehenden Grundkrankheiten oder Immunstatus des Impflings.
Konjugierte
Impfstoffe: gegen die im Impfstoff enthaltenen Typen über 90%.
Schutzdauer:
Siehe oben.
Nebenwirkungen:
Wenige
Stunden bis zwei Tage nach der Impfung werden manchmal Fieber, Muskelschmerzen,
Kopfschmerzen und leichte Gelenksschmerzen beobachtet. Wenn die Impfung in zu
kurzen Abständen (weniger als fünf Jahre Intervall) gegeben wird, so treten
vermehrt Reaktionen an der Impfstelle (eventuell auch kurzzeitig hohes Fieber)
auf, die ansonsten (bei regulärem Impfintervall) nur sehr milde sind.
Auch
allergische Reaktionen können v. a. bei zu kurzem Impfintervall beobachtet
werden.
Besondere
Hinweise:
l
Es empfiehlt sich vor allem bei älteren Menschen, die Pneumokokkenimpfung mit
der Grippeimpfung zu kombinieren, wobei die Grippeimpfung ja dann jährlich, die
Pneumokokkenimpfung aber nur einmal durchgeführt wird. Dies begründet sich
aus der Tatsache, dass sehr viele ältere Menschen, die an einer Grippe
erkranken, im Gefolge dieser Grippe durch die Verschlechterung der Abwehrlage
dann eine Pneumokokkenerkrankung bekommen, die dann relativ oft zum Tod führt.
l
Die Pneumokokkenimpfung sollte auch unbedingt bei jenen Patienten durchgeführt
werden, die mit Lungenentzündung im Spital liegen – eine durchgemachte
Pneumokokken-Lungenentzündung hinterlässt nämlich nur gegen einen einzigen
Stamm eine Immunität, der Impfstoff schafft aber eine Immunität gegen 23 Stämme.
l
Personen ohne Milz sind im Falle einer Pneumokokkenerkrankung fast immer
todgeweiht – die Milz hat wichtige Funktionen im Rahmen der Immunabwehr –
und sie sollten sich unbedingt impfen lassen!