Erreger:
Poliovirus
mit drei Serotypen.
Infektionsquelle:
Rachensekret
und Stuhl infizierter Menschen.
Übertragung:
Schmutz-
und Schmierinfektion.
Inkubationszeit:
4
bis 10 Tage.
Krankheitsbild:
Über
90% der Infektionen verlaufen, ohne dass der Betroffene irgendwelche Beschwerden
hat. Kommt es zu Symptomen, so tritt die Erkrankung in drei Formen in
Erscheinung:
a)
leichte, unspezifische, fieberhafte, ein bis zwei Tage dauernde Erkrankung
mit Kopf- und Halsschmerzen, ev. leichter Durchfall.
b)
ohne Lähmungen verlaufende Gehirn(haut)entzündung
mit Fieber, Hals und Rachenentzündung, Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen.
c)
„echte“ Kinderlähmung: schlaffe Lähmungen
von Muskeln der Extremitäten, Hirnnervenausfälle, wenn das Atemzentrum
mitbetroffen ist meist Atemlähmung. Außerdem können Krämpfe, hohes Fieber,
Bewusstseinstrübungen u. v. a. vorkommen. Lange und ausgedehnte Rekonvaleszenz,
die bis zu 2 Jahren dauert. Spätschäden häufig.
Diagnose:
Nachweis
des Erregers oder von Antikörpern gegen den Erreger.
Behandlung:
Keine,
außer Pflege des Patienten. Die Polio verläuft schicksalshaft.
Epidemiologie
und Bedeutung:
In
Österreich ist Polio schon seit Jahrzehnten nicht mehr aufgetreten. Die
WHO-Region Europa wurde 2002 für poliofrei erklärt. In vielen Ländern des
asiatischen Raumes ist sie nach wie vor heimisch, jedoch unternimmt die
Weltgesundheitsorganisation gewaltige Anstrengungen, die Polio weitgehend
auszurotten („global eradication program“). 2005 sind Kleinraumausbrüche in
einigen westafrikanischen Staaten und ein größerer Ausbruch in Indonesien die
wichtigsten Herde von Polio weltweit gewesen. Importierte Infektionen kommen
fast nicht mehr vor, dies allerdings nur, solange auch in poliofreien Regionen
die Bewohner sich weiterhin impfen lassen.
Impfstoffe
und Impfung:
Polio-Impfung
nach Salk (Stich-Totimpfung).
Es
handelt sich um einen Totimpfstoff, der die drei Poliovirusstämme (Mahoney,
Mef1 und Saukett) in abgetöteter Form enthält
Impfstoffe:
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IMPFSTOFF |
PRODUKTNAME
und HERSTELLER |
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IMPFSTOFFE
FÜR ALLE ALTERSKLASSEN |
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Polio
SALK (Ganzvirus, TOT) |
Polio
Salk (SPMSD) |
|
KINDERIMPFSTOFFE: |
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Di/Tet/PEA/Polio |
Tetravac
(SPMSD) |
|
Di/Tet/PEA/Hib/Polio/Hep.B |
Hexavac
(SPMSD, derzeit nicht im Handel) Infanrix
hexa (GSK) |
|
dTPolio |
Revaxis
(SPMSD) |
|
dTPEA/Polio |
Repevax
(SPMSD), Boostrix-Polio (GSK) |
|
ERWACHSENENIMPFSTOFFE |
|
|
dTPolio |
Revaxis
(SPMSD) |
|
dTPEA/Polio |
Repevax
(SPMSD), Boostrix-Polio (GSK) |
Die
Polioimpfung ist – sofern nicht durch Kombinationen andere Schemata anzuwenden
sind – eine Impfserie aus drei Teilen:
Erstimpfung
2.Impfung
nach 4-8 Wochen
3.Impfung
nach 6-12 Monaten
Auffrischung
alle 10 Jahre
Grundimmunisierung
im Kindesalter:
|
|
3.
Monat |
5.
Monat |
7.
Monat |
2.
Lebensjahr |
|
Diphtherie
(D) Tetanus Pertussis Poliomyelitis Haemophilus
infl. B Hepatitis
B |
1. 6-fach Impfung |
2. 6-fach Impfung |
3. 6-fach Impfung |
4. 6-fach Impfung |
|
|
7-9.
Lebensjahr |
13.
Lebensjahr |
13.-16.
Lebensjahr |
||
|
Diphtherie
(DIP) Tetanus
(TET) Pertussis
(PEA) Poliomyelitis
(IPV) |
Auffrischungs- Impfung DIP-TET-IPV |
__________ |
|
Alle Kinder sollen während des Schulalters
2 Teilimpfungen DIP-TET und möglichst auch
je
1 Teilimpfung PEA und IPV erhalten.
Wegen
der Reaktogenität der Pertussis-Komponente bei relativ kurzem Abstand zu den
vorangegangenen Pertussis-Impfungen sollte der bisher verfügbare
Kombinationsimpfstoff (DIP-TET-IPV-PEA) vorläufig nicht für Reihenimpfungen in
Schulen in der Altersgruppe 7.-9. Lebensjahr eingesetzt werden. Dieser Impfstoff
kann aber im Individualfall auch in dieser Altersgruppe angewendet werden. Aus
obigem Grund wird das aus den epidemiologischen Daten näher liegende Vorgehen
einer DIP-TET-PEA-Kombinationsimpfung für die Altersgruppe 7.-9. Lebensjahr
nicht angeraten, sondern die in der Tabelle dargestellten Variante (DIP-TET-IPV
im 7.-9. LJ und DIP-TET-PEA im 13.-16. LJ) als generelle Empfehlung
ausgesprochen.
Impfung
bei Erwachsenen:
|
25
Jahre |
35
Jahre |
45
Jahre |
55
Jahre |
60
Jahre |
65
Jahre |
70
Jahre |
75
Jahre u.s.w. |
|
DIP TET PEA IPV |
DIP TET PEA IPV |
DIP TET PEA IPV |
DIP TET PEA IPV |
DIP TET PEA |
DIP TET PEA IPV |
DIP TET PEA |
DIP TET PEA IPV |
Man
geht heute davon aus, dass bei Vorliegen von zumindest 4 Teilimpfungen eine
weitere Immunisierung im Erwachsenenalter nicht mehr unbedingt routinemäßig nötig
ist. Ausgenommen: Auffrischungen bei Reisen in Gebiete, in denen noch Polio
vorkommt, da sollte nach 10 Jahren aufgefrischt werden.
Schutzrate:
Nach
vollständiger Immunisierung praktisch 100%.
Schutzdauer:
Die
Angabe der Schutzdauer mit 10 Jahren nach erfolgter Grundimmunisierung bzw.
Auffrischung ist sicherlich sehr konservativ. Aus dem skandinavischen Raum
existieren Studien, die der Immunisierung nach „Salk“ eine Wirksamkeit von
mehreren Jahrzehnten bescheinigen, v.a. wenn die Immunisierung im Kindesalter
begonnen wird. Der Polioimpfstoff nach „Salk“ wurde überdies in den
Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts weiterentwickelt und hat nun noch
bessere immunologische Eigenschaften („enhanced potency inactivated Polio
vaccine“ – eIPV).
Nebenwirkungen:
Außer
geringfügigen lokalen Nebenwirkungen ist nicht mit dem Auftreten von
Beschwerden zu rechnen. Der Impfstoff enthält geringe Mengen Neomycin und
deshalb sollte bei Personen mit hochgradiger Neomycinallergie entweder unter dem
Schutz eines Antihistaminikums oder mit einer einstündigen
Nachbeobachtungsfrist geimpft werden.
Besondere
Hinweise:
Die
Meriten der Kinderlähmungsimpfung sind unbestritten. Heute stehen wir knapp vor
der endgültigen Eradikation dieser Erkrankung..
Mit
der Abnahme der Erkrankungshäufigkeit hat man natürlich auch über die Impfung
nachzudenken begonnen. Inbesonders hat es die Fachleute gestört, dass – wenn
auch sehr sehr selten – nach der früher verwendeten Polio-Schluckimpfung eine
so genannte „Impfpoliomyelitis“ auftreten kann. Eine solche Impfpolio kann
der natürlichen Erkrankung sehr ähnlich verlaufen, und eine derartige
Nebenwirkung ist natürlich gefürchtet. Früher, als Polio noch eine
Volkskrankheit war, hat man die wenigen Impfpoliofälle in Kauf genommen, jetzt
hingegen sind sie inakzeptabel. Eine Impfpoliomyelitis tritt nach
internationalen Untersuchungen mit einer durchschnittlichen Häufigkeit von
weniger als 1 auf 2,4 Millionen auf.
Da
die Impfpolio nur nach der Schluckimpfung auftritt (und hier auch fast nur nach
der allerersten Impfung) und die Stichimpfung („Salk“-Impfung) dieses Risiko
überhaupt nicht hat, so hat man die Impfstrategie geändert:
Seit
März 2001 gibt es die Polio-Schluckimpfung in Österreich nicht mehr, alle
Personen werden daher mit dem Salk-Impfstoff geimpft.