DIE REISEAPOTHEKE
(H.Kollaritsch und I.Mutz)
Eine
Reiseapotheke ist ein unabdingbarer Bestandteil des Reisegepäcks und sollte vor
allem auf Fernreisen nie fehlen.
Es
gilt zunächst zu unterscheiden, ob man im Zusammenhang mit der Reiseapotheke
von Medikamenten spricht, die man auch zu Hause ständig nimmt, oder von jenen
Medikamenten, die speziell für die Gesundheitsstörungen auf Reisen gedacht
sind.
Jene Medikamente, die man auch
zu Hause ständig nimmt, sollten auf jeden Fall einen besonderen Platz in der
Reiseapotheke haben, denn oftmals kann das Fehlen eines derartigen Medikamentes
(z.B. Insulin für Diabetiker) lebensbedrohliche Folgen haben. Der für die
Reise nötige Gesamtvorrat dieser Medikamente gehört unbedingt ins Handgepäck
und eine kleine Reserve noch zusätzlich ins Fluggepäck.
Manche
Medikamente unterliegen auch schon in Österreich bestimmten
arzneimittelrechtlichen Vorschriften, weil sie in der Hand des Laien nicht ungefährlich
sind – hier muß nach Absprache mit dem Arzt möglicherweise ein
mehrsprachiges Attest vorliegen, das die problemlose Mitnahme durch den Zoll
gestattet.
Apropos
Zoll: Ganz allgemein gilt, daß kleine Mengen von Medikamenten unschwer für den
Eigenbedarf erkennbar sind, aber größere „Vorräte“ bei längerdauernden
Auslandsaufenthalten schon einmal am Zoll beanstandet werden können – daher
eine Erklärung mitführen, warum soviel von einem bestimmten Medikament
gebraucht wird.
Nun
zu der „reisespezifischen“ Ausrüstung der Apotheke:
Zunächst
gilt ganz allgemein, daß Sie jene Medikamente für bestimmte Indikationen
bevorzugen sollen, die Sie schon kennen und von denen Sie wissen, daß Sie sie
vertragen. Beispiel: Es gibt hunderte Schmerzmittel, aber sicher sind Sie auf
ein bestimmtes „eingeschossen“ – also nehmen Sie sich auch dieses Mittel
mit und nicht ein Ihnen unbekanntes.
Wenn
Sie aus Erfahrung wissen, daß Sie zu bestimmten Gesundheitsstörungen neigen
(z.B. Reisekrankheit, Allergien), dann nehmen Sie auf jeden Fall von Österreich
die entsprechenden Medikamente mit und verlassen Sie sich nicht auf die lokale
Versorgung – oft sind Medikamente in sogenannten Entwicklungsländern noch
gebräuchlich, die bei uns keine Zulassung mehr besitzen.
Ihre Malariamedikamente sind
lebenswichtig und unbedingt im Handgepäck mitzuführen.
Die
folgende Tabelle soll nur einen kurzen Überblick über sinnvolle Medikamente
geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Selbstverständlich müssen
individuelle Gegebenheiten (z. B. Medikamentenunverträglichkeit) berücksichtigt
werden.
Das Mitführen
von sterilen Spritzen und Nadeln sollte sehr vorsichtig gehandhabt werden.
Zollbehörden kommen mitunter auf „falsche Gedanken“ (Rauschgift!), und der
Reisende handelt sich mehr Unbillen als Nutzen ein. Nur „Sprit-zensets vom
Apotheker“ mit mehrsprachiger Er-klärung sind geeignet.
Inhalt
der Reiseapotheke:
a) allgemein:
Fieberthermometer, Pinzette, Scherre, Fremdkörperhäkchen
Spritzen und Nadeln sowie sonstiges medizinisches Equipment nur in Ausnahmefällen
und dann nur mit mehrsprachiger Erklärung
elastische Binde, Dreieckstuch,Kompressen,Pflaster, Wundklebestreifen
Insektenschutzmittel und Sonnenschutz
Hautdesinfektion, ev. Wasserdesinfektion
“Pille, Damenbinden, Kondome
Ohropax
a) spezieller Teil:
Durchfallmedikamente (Imodium, Enterobene, den Wirkstoff des Imodium gibt
es neuerdings auch als rezeptfreies "Loperamid ratiopharm akut"!);
Vorsicht, nie bei fieberhaftem Durchfall); Kohlepräparate sind sinnlos.
Breitbandantibiotikum: mit dem Arzt besprechen
orale Rehydrierungslösung (für Kinder als fertiges Granulat in der
Apotheke), für Erwachsene: Orangensaft plus 1 EL Zucker plus 1KL Salz; kein
Coca-Cola (zuviel Zucker!)
Augen-und Ohrentropfen (ev. mit Antibiotikazusatz)
schmerzlindernde und fiebersenkende Mittel
Mittel gegen Erbrechen
antiallergisches Mittel (Tabletten und Salbe/Creme)
Nasentropfen
Hustenmittel
Wund- und Heilsalbe
Bewußt wurde auf die
Nennung von Präparatenamen verzichtet, denn einerseits sind viele dieser
Medikamente streng verschreibungspflichtig und es sollte daher
mit dem Arzt die Einnahme besprochen werden und andererseits gibt es eben
individuelle „Vorlieben“, denen nicht vorgegriffen werden soll.
Nochmals betont wird, daß
die Medikamentenversorgung von zu Hause erfolgen soll und nicht erst im Gastland
wegen eines ev. niedrigeren Preises eingekauft werden soll: Oft handelt man sich
in Entwicklungsländern Plagiatpräparate ein, die nicht das halten, was sie
versprechen und – Hand aufs Herz – wer kann schon einen Beipackzettel auf gut chinesisch lesen??
Nachsatz: Spezielle Tipps zur Behandlung der
Reisediarrhoe: siehe dort.