Österreichs
Senioren sind ziemlich reiselustig. 1980 betrug der Anteil von Personen über 60
Jahre, die eine interkontinentale Fernreise in ein Entwicklungsland antraten,
rund 5 % am gesamten Reiseaufkommen in solche Regionen. 1995 war dieser Anteil
bereits auf 15 % gestiegen, und seit dieser Zeit ist eine weitere ständige
Zunahme zu beobachten.
Ein höheres
Lebensalter ist an sich natürlich keine Krankheit. Senioren sollten sich aber
im Einzelfall doch darüber Gedanken machen, ob sie ein exotisches Ziel als nächste
Reisedestination wählen sollten oder besser im europäischen Raum ihren Urlaub
verbringen. Denn entscheidend ist ja wohl nicht die Frage, ob sie die Fernreise
gerade eben noch aushalten werden, sondern ob sie diese Reise auch genießen können
und nicht während oder nach der Reise so schwerwiegende gesundheitliche
Probleme haben, dass das Urlaubsvergnügen dahin ist.
Worauf
sollen nun Senioren achten und bei
welchen
Konstellationen ist Vorsicht geboten?
Herz-Kreislauf-Situation,
Lungenfunktion:
Fast jede
Person über 60 hat ein so genanntes Altersemphysem der Lunge. Dieser Zustand
ist an sich unbedenklich. Nur wenn sich diese Lungenblähung soweit ausgewachsen
hat, dass sich als Komplikation eine permanente chronische mit Verlust von
gesundem Lungengewebe einhergehende Erkrankung etabliert hat und dadurch die
Sauerstoffversorgung des Blutes nicht mehr vollständig ist, bedeutet dies eine
Mahnung zur Vorsicht. Es empfiehlt sich, wenn man bereits zu Hause mit dem
Stiegensteigen Probleme hat oder bei banalen Anstrengungen „keine Luft“
bekommt, mit dem Internisten zu sprechen und vielleicht eine Lungenfunktionsprüfung
machen zu lassen. Wichtig ist dies vor allem für die Flugreise an sich, da der
Kabinendruck in modernen Jets etwa einer Seehöhe von 2.500 m entspricht.
Auch der
Zustand des Herzens und des Kreislaufs sollte überprüft werden: Senioren, bei
denen die Herzleistung stark abgesunken ist oder eine „Angina pectoris“
vorliegt, die nicht gut eingestellt ist, sollten lange Fernreisen überhaupt
meiden. Auch Patienten nach einem Herzinfarkt sollten unbedingt klären, ob sie
schon wieder einsatzfähig sind.
Nach einem
Schlaganfall muss man sich sehr genau überlegen, was man sich zumuten kann –
denn: was tun, wenn man im Ausland womöglich ein zweites derartiges Ereignis
bekommt. Bluthochdruck ist, wenn mit Medikamenten gut eingestellt, an sich kein
Problem, nur instabiler Hochdruck verbietet lange Reisen.
Organ- und
Stoffwechselkrankheiten:
Als
Faustregel kann hier gelten: Ist eine Organerkrankung oder eine
Stoffwechselkrankheit so gut behandelt, dass im Inland nur eine gelegentliche
Kontrolle durch den Arzt nötig ist und eine allgemeine Beeinträchtigung des täglichen
Lebens nicht gegeben ist, so wird auch eine Fernreise kein wirkliches Problem
darstellen.
Einige
Beispiele:
Der
reisende Diabetiker: Ist der Blutzuckerspiegel nur gering erhöht, keine
Krisensituationen bisher vorgekommen und nimmt der Patient zur Stabilisierung
bestenfalls orale Antidiabetika, so kann er
uneingeschränkt reisen. Der insulinpflichtige Diabetiker muss Fernreisen nicht
meiden, aber er sollte sich unbedingt in einem Diabetikerzentrum gut schulen
lassen, damit er mit seiner Zuckerkrankheit in der Ferne gut umgehen kann und
Probleme wie die Zeitverschiebung, eventuelle Durchfallerkrankungen, ungewohnte
Kost und einen anderen Lebensrhythmus unbeschadet übersteht. Diabetikerausweis
nicht vergessen!
Gichtkranke:
Sie sind besonders gefährdet, bei Fernreisen einen Anfall zu bekommen. Daher Rücksprache
mit dem Arzt, was in solchen Fällen zu tun ist.
Schrittmacherpatienten:
benötigen unbedingt ihr letztes EKG, wenn sie auf Reisen gehen und eine Bestätigung
für die Flughafensicherheitskontrolle. Es empfiehlt sich auch, das Gerät vor
Abreise warten zu lassen, denn leere Batterien kommen nicht nur bei
Taschenlampen vor.
Patienten
mit Leberzirrhose und Bauchwassersucht sind ebenso wie Patienten mit stark
eingeschränkter Nierenfunktion nicht fernreisefähig.
Sehr
wichtig ist auch die Anmerkung, dass Patienten mit der Parkinson'schen
Krankheit, wenn diese ausgeprägt ist, nicht in heiße Länder reisen sollten:
Bei diesen Patienten ist die Schweißsekretion beeinträchtigt, sie bekommen
einen Hitzestau, der bedrohlich sein kann.
Patienten
mit „Ersatzteilen“, die metallisch sind, benötigen einen entsprechenden
Arztbrief (am besten auf englisch), in dem das Leiden erklärt wird und auf die
Metallnatur des Implantates hingewiesen wird – sonst ist bei der
Flughafensicherheitskontrolle Endstation.
Reisethrombose:
Jeder
Senior sollte sich darüber im Klaren sein, dass eine längere Flugreise eine
gewisse Gefährdung für die Ausbildung von Gefäßverstopfungen in sich birgt:
Langes, unbewegliches Sitzen, wenig Flüssigkeitszufuhr bei gleichzeitig sehr
trockener Luft in den Flugzeugen bedeuten, – und fast jeder merkt das an den
angeschwollenen Beinen beim Aussteigen – dass der Blutabtransport aus den
Beinvenen beeinträchtigt ist. Also: Während des Fluges immer wieder aufstehen
und Bewegungsübungen machen, viel trinken (für zehn Stunden Flug mindestens
zwei Liter!), aber natürlich keinen Alkohol, nicht rauchen. Senioren, die schon
einmal eine Thrombose gehabt haben, sollten mit dem Arzt Rücksprache pflegen,
ob nicht eine Medikamentengabe mit gerinnungshemmenden Medikamenten sinnvoll
sein könnte.
Impfungen
und andere Vorbeugemaßnahmen bei Senioren:
Unverständlicherweise
sind es gerade die älteren Reisenden, die Vorsorgeimpfungen für Fernreisen
nicht ernst nehmen. Dabei sollte sich aber jeder Senior vor Augen führen, dass
der Alterungsprozess auch nicht vor dem Immunsystem halt macht. Also sollte
gerade der ältere Fernreisende sehr darauf bedacht sein, die reisespezifischen
Impfungen (abhängig vom Reiseziel) durchführen zu lassen und auch nicht auf
die Routineimpfungen vergessen (Diphtherie, Tetanus und Polio). Zeitgerechte
Erkundigung (etwa vier Wochen vor Abreise) an einer spezialisierten Stelle (z.
B. Reisemedizinischer Informationsdienst Tel. 01/403 83 43) erspart unter Umständen
verzichtbare „Souvenirs“ aus den Tropen.
Ganz
allgemein formuliert – die oben angeführten Punkte sind nur ein Abriss der
wichtigsten Probleme des älteren Fernreisenden – sollten Senioren mit Überlegung
und Hausverstand an das Abenteuer „Fernreise“ herangehen. Eine Rückfrage
bei einem Tropeninstitut, ob das gewünschte Reiseziel wirklich empfehlenswert
ist, ob die medizinische Versorgung und die Umfeldbedingungen in der jeweiligen
Situation eine Reise dorthin wirklich empfehlenswert erscheinen lassen, sollte
stets erfolgen. Im Einzelfall wird es vielleicht notwendig sein, eine ärztliche
Untersuchung vor Reiseantritt durchführen zu lassen. Daher: Zeitgerecht mit den
Vorbereitungen beginnen, um sich so noch die Möglichkeit offen zu lassen, bei
ärztlichem Widerspruch auf eine andere, weniger belastende Destination umbuchen
zu können.