Tetanus (Wundstarrkrampf) 


 

 

Erreger:

Toxine von Clostridium tetani, einem Bakterium.

Infektionsquelle:

Erdreich, Staub, tierische oder menschliche Ausscheidungen.

Übertragung:

Wundverschmutzung; klassisch ist die so genannte „Bagatellverletzung“, d. h. kleine bis kleinste Wunden, die verschmutzt sind.

 Inkubationszeit:

Wenige Tage bis zu mehreren Wochen.

Krankheitsbild:

Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Abgeschlagenheit, Schwitzen, später dann Muskelkrämpfe, Schluckbeschwerden, allgemeine Krampfneigung, Kreislaufprobleme und letztlich Atemstillstand. Die Erkrankung ist äußerst schmerzhaft und endet trotz moderner Behandlungsmethoden in 20 bis 30 Prozent der Fälle tödlich.

Eine Tetanuserkrankung hinterlässt KEINE Immunität!

Diagnose:

Aus dem Krankheitsbild.

Behandlung:

Tetanus-Immunglobulin, Lähmung der Muskulatur zur Behebung der Krämpfe, Intensivüberwachung, Antibiotika.

Epidemiologie und Bedeutung :

Tetanuserreger kommen weltweit vor, besonders häufig dort, wo Böden alkalisch sind. 1998 verstarben nach Angaben der WHO rund 410.000 Menschen am Tetanus, der überwiegende Teil dieser Todesfälle entfällt in Entwicklungsländern auf neugeborene Kinder, bei denen es infolge unsteriler Abnabelung nach Hausgeburten zur Einbringung von Tetanussporen in die Nabelwunde des Neugeborenen und damit zur Infektion kommt. Da die meisten Mütter in Entwicklungsländern außerdem noch mangelhaft gegen Tetanus geimpft sind, können sie auch ihren Neugeborenen keine Antikörper (Nestschutz) mitgeben, der die Kleinen zuverlässig gegen diesen Neugeborenentetanus schützen würde. Die WHO hat deshalb eine massive Kampagne zur Tetanusimpfung Schwangerer initiiert und die jährliche Fallzahl von Tetanus neonatorum wurde auf unter 200.000 gedrückt. In unseren Breiten ist Tetanus sehr selten geworden, Deutschland dürfte rund 10 Fälle pro Jahr sehen, in Österreich ist etwa 1-2 Fälle pro Jahr die aktuelle Schätzung.

 

Typisch ist die Erkrankung bei älteren Menschen im ländlichen Raum, da hier die Schutzimpfung besonders nachlässig gehandhabt wird.

 

Impfstoffe:

Das gereinigte und durch Formalinbehandlung entgiftete Tetanus-Toxin wird als Toxoid verwendet und an Aluminiumhydroxid adsorbiert. Manche Impfstoffe enthalten das Konservierungsmittel Natriumtimerfonat, sie sollten nicht mehr verwendet werden.  Die Impfstoffe sind von der WHO standardisiert, d. h. es ist in allen verfügbaren Impfstoffen die gleiche Menge wirksamer Inhaltsstoff enthalten.

 

 

IMPFSTOFFE FÜR ALLE ALTERSKLASSEN

Tetanus

(Toxoidimpfstoff; TOT)

(Achtung: Reine Tetanus-Impfstoffe laufen langsam aus, da nur noch Diphtherie/Tetanus verwendet wird!)

Te-Anatoxal (Berna)

Tetanus-Adsorbat (SPMSD)

 

KINDERIMPFSTOFFE

Diphtherie/Tetanus

DT Adsorbat (SPMSD)

dTaP

Boostrix (GSK)

dTIPV

Revaxis (SPMSD)

dTaP-IPV

Boostrix Polio (GSK), Repevax (SPMSD)

Di/Tet/aP/Polio

Tetravac (SPMSD)

Di/Tet/aP/Hib/Polio/Hep.B

Infanrix hexa (GSK)

ERWACHSENENIMPFSTOFFE

dT

dT reduct Mérieux (SPMSD)

Tdpur (Nov)

DiTe Anatoxal (Berna)

dTIPV

Revaxis (SPMSD)

dTaP

Boostrix (GSK)

dTaP-IPV

Boostrix Polio (GSK), Repevax (SPMSD)

 

Impfung:

Für die Grundimmunisierung werden drei Impfungen benötigt. Es gelten ziemlich große Toleranzen, was die Intervalle der einzelnen Impfungen zueinander betrifft. Wenn jemand einmal in seinem Leben eine komplette Grundimmunisierung durchgeführt hat, so muss nie wieder mit der Tetanusimpfung neu angefangen werden! Es genügt hier immer eine einzige Impfung (bei mehr als 20 Jahren Abstand aus Sicherheitsgründen 2 Impfungen im Monatsabstand) zur Auffrischung. Zwar ist die Schutzdauer nach der Tetanusimpfung mit zehn Jahren limitiert, d. h. danach ist möglicherweise kein Akutschutz mehr vorhanden, aber das „immunologische Gedächtnis hält fast das ganze Leben und eine einzige „Erinnerungsspritze“ schafft in der Regel wieder den Vollschutz! Im Zweifelsfall (bei unklarer Dokumentation oder extrem überzogenem Impfintervall): Antikörperbestimmung!

 

Die Tetanusimpfung soll heute immer in Kombination mit der Diphtherieimpfung gegeben werden (siehe auch dort). Im Säuglingsalter stehen noch zahlreiche Kombinationsimpfstoffe mit diversen anderen Komponenten (siehe: Impfstoffe) zur Verfügung

 

Impfplan für Neuimpfungen gegen Tetanus ohne vorausgegangene Verletzung:

 

Die Tetanusimpfung ist – sofern nicht durch Kombinationen andere Schemata anzuwenden sind – eine Impfserie aus 3 Teilen:

 

Erstimpfung

2.Impfung nach 4-8 Wochen

3.Impfung nach 6-12 Monaten

 

Auffrischung alle 10 Jahre, ab dem 60. Lebensjahr alle 5 Jahre

 

 

 

Grundimmunisierung im Kindesalter:

 

 

 

3. Monat

5. Monat

2. Lebensjahr

Diphtherie (D)

Tetanus

Pertussis (PEA)

Poliomyelitis

Haemophilus infl. B

Hepatitis B

 

1.

6-fach

Impfung

 

2.

6-fach

Impfung

 

4.

6-fach

Impfung

 

Auffrischungen im Schulalter: siehe öst.Impfplan

 

 

Tetanus-Impfung im Erwachsenenalter:

 

25 Jahre

 

35 Jahre

45 Jahre

55 Jahre

60 Jahre

 

65 Jahre

70 Jahre

75 Jahre

u.s.w.

DIP

TET

PEA

DIP

TET

PEA

DIP

TET

PEA

DIP

TET

PEA

DIP

TET

PEA

DIP

TET

PEA

DIP

TET

PEA

DIP

TET

PEA

 

 

 

 

Die Tetanusimpfung nach Verletzungen:

 

 

Tetanusprophylaxe nach Verletzungen

 

Impfung 1)

Tetanusimmunglobulin

unbekannt oder <3 Teilimpfungen

Ja

Ja

³ 3 Teilimpfungen, letzte kürzer als 10 Jahre (über 60: kürzer als 5 Jahre)

Nein

Nein

³ 3 Teilimpfungen, letzte länger als 10 Jahre (über 60: kürzer als 5 Jahre)

Ja

Nein

 

Um bei den Tetanus-Impfungen immer synchron mit der Diphtherie zu sein, wird nur mehr dT-Kombinationsimpfstoff (oder dT-IPV, dT-PEA, dT-PEA-IPV) empfohlen. Eine Impfung mit monovalentem Tetanus-Impfstoff ist nur dann empfohlen, wenn eine Kontraindikation gegen eine kombinierte Impfung vorliegt oder der Impfling die Kombinationsimpfung verweigert.

 

Schutzrate:

Die Schutzrate der Tetanusimpfung liegt bei nahe 100 Prozent, Durchbrüche eines Tetanus kommen bei regulär Geimpften praktisch nicht vor.

Schutzdauer:

Zehn Jahre absolut, d. h. auch im Verletzungsfall braucht hier keine Impfung durchgeführt werden (außer man ist über 60 Jahre alt, dann schon nach 5 Jahren). Werden die zehn Jahre nach der letzten Auffrischung überschritten, so wird im Verletzungsfall aufgefrischt. Siehe vorangegangene Tabelle.

Nebenwirkungen:

Vor allem dann, wenn die Injektion nicht streng in den Muskel (immer Oberarm, nie Gesäß!) gegeben wird, ist mit Reaktionen an der Impfstelle zu rechnen: Rötung, leichte Schwellung, Druckschmerzhaftigkeit, Juckreiz. Etwa 20% der Impflinge erlebt eine solche, etwa 6-48 Stunden nach der Impfung auftretende, zumeist kurzdauernde Reaktion. Nur in ganz seltenen Fällen ausgeprägte Reaktion an der Impfstelle mit starker Schwellung . Im Gegensatz zur früheren Ansicht, dass sich Impfreaktionen nach Tetanusimpfung verstärken, wenn man zu oft impft, belegen neuere Untersuchungen, dass nur bei extrem kurz hintereinander folgenden Impfungen tatsächlich mit vermehrten lokalen Reaktionen zu rechnen ist.


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