Masern

 Details zur jeweils aktuellen Masernsituation finden sich unter: https://ecdc.europa.eu/en/measles.

 

Erreger: Masern-Virus, ein Typ

Infektionsquelle: Sekrete der Atmungsorgane, Tränenflüssigkeit, Blut und Urin Masernkranker

Übertragung: Mittels Tröpfchen und Schmierinfektion; Masernkranke sind vom 8. Tag nach Ansteckung, bis etwa zum 3. Tag nach Ausbruch des typischen Hautausschlages infektiös. Masern gelten als die ansteckendste Infektionskrankheit. Durchschnittlich steckt 1 Masernkranker bis zu 18 Kontaktpersonen an.

Inkubationszeit: 9 – 11 Tage

Krankheitsbild: Der typische Verlauf von Masern ist gekennzeichnet von Fieber, Kopfschmerzen, Lichtscheuheit, Husten und Bindehautentzündung. Am 2. – 3. Tag erscheinen auf der Wangenschleimhaut ganz typi- sche weiße Stippchen (so genannte Koplik’sche Flecken). Das Fieber fällt nach 3 – 4 Tagen ab. Dann tritt der Hautausschlag auf, der der Erkran- kung den Namen gegeben hat: Beginnend im Gesicht breitet sich der Ausschlag innerhalb von 2 – 3 Tagen über den ganzen Körper, bis zu den Füßen aus. Er ist grobfleckig, unregelmäßig begrenzt und gelegentlich mit kleinen Hautblutungen einhergehend. Nach etwa 1 Woche blasst der Ausschlag ab.

 

Es gibt bei Masern abweichend von diesem typischen Verlauf einige Sonderformen:

  1. Subfebrile Verläufe ohne Hautausschlag
  2. Verläufe mit sehr starkem Husten und dem charakteristischen „Zie- hen“ beim Atmen
  3. Bösartige Verläufe mit Beteiligung des Gehirns

 

Masern können einige Komplikationen haben:

ï      Bronchitis, Lungenentzündung (4 – 7 % der Erkrankten!)

ï      Mittelohrentzündung

ï      Gehirnentzündung (1 auf ca. 2.000 Erkrankungen)

ï      Subakut sklerosierende Panencephalitis, SSPE (einige Jahre nach akuter Masern-Erkrankung kommt es zu einer Beeinträchtigung des Zentralnerven-Systems. Es folgt ein zunehmender Verlust aller neurologischen Fähigkeiten und schließlich, nach meist rund 6 – 8 Jahren, kommt es immer zum Tode. Häufigkeit nach Masernerkrankung etwa 1:1.700 bei Kindern unter 1 Jahre, etwa 1:1.500 bei Kindern bis zum 5.Lebensjahr. In Österreich wurden seit Ende der 1990er Jahre 16 Fälle von SSPE verzeichnet.

 

Etwa 1 von 1.000 an Masern Erkrankten stirbt an der Infektion. Nach der Erkrankung besteht für einige Monate eine Immunsuppression und gesteigerte Infektanfälligkeit, da das Masernvirus gezielt Immungedächtniszellen vernichtet. Neuere Untersuchungen zeigen, dass an Masern erkrankte Kinder über Jahre hinweg ein höheres Sterblichkeitsrisiko haben als Kinder, die keine Masern hatten!

 

Diagnose: Aus dem Krankheitsverlauf (ist nicht immer einfach), durch Erregernachweis aus dem Rachensekret/Speichel, Urin oder durch Antikörpernachweis aus dem Blut.

 

Behandlung: Keine möglich; im Frühstadium kann man möglicherweise durch die Gabe von Antikörper-Präparaten die Komplikationsrate senken.

 

Epidemiologie und Bedeutung: Masern sind in Österreich (leider) noch immer eine sehr häufige Erkrankung, obwohl bei konsequenter Durchimpfung der Bevölkerung (mindestens 95 % der Bevölkerung müssten   mit 2 Dosen geimpft sein) die Erkrankung ausrottbar wäre. Österreich hatte bis vor kurzem pro Jahr einige Hundert Masernfälle, 2017 waren es 95 Fälle und 2018 etwa 75 Erkrankungen. Rechnet man das auf die Einwohner um, so ergibt sich eine Inzidenz von  rund 10 pro Million Einwohner, das Eliminationsziel definiert sich bei weniger als 1 Fall pro Million. Bedauerlich ist ausserdem, dass rund 15% der Erkrankungsfälle bei in Gesundheitsberufen tätigen Personen vorkommen, die damit gleich zwei fatale Auswirkungen haben: Einerseits können diese Personen ihnen anvertraute Patienten natürlich anstecken, andererseits sind sie ein desaströses Vorbild für alle anderen.

Europaweit sehen wir seit 2016 eine riesige Masernepidemie, 2017 sind rund 14.600 Fälle mit 37 Toten und 2018 waren bereits im ersten Halbjahr (!!) mehr als 41.000 Fälle verzeichnet worden, sowie ebenfalls 37 Tote. Auch der seit 2001 masernfreie amerikanische KOntinent sieht sich wieder mit Ausbrüchen v.a. in Brasielien und Venezuela konfrontiert.

Impfstoffe: Masern/Mumps/Röteln-Kombinationsimpfung; Dreikomponentenlebend-Impfung in einem Stich. Einzelkomponenten-Impfstoffe sind nicht erhältlich. Das Impfvirus ist nicht auf Dritte übertragbar.

 

Zusätzlich gibt es auch Impfstoffe, welche neben der Masern/Mumps/ Röteln-Komponente auch die Varizellen-Komponente enthalten (MMRV). Nachdem die Impfstoffe, welche nur die 3-Komponenten MMR enthalten, ein etwas besseres Nebenwirkungsprofil haben, werden die 3-fach-Impfstoffe in der Praxis meistens bevorzugt.

Impfung:

Impfschema

2 Dosen ab vollendeten 9. Lebensmonat

Bei Erstimpfung im 1. Lebensjahr:

        2. Impfung nach 3 Monaten

Bei Erstimpfung nach 1. Lebensjahr:

Impfung nach 4 Wochen

Versäumte Impfungen sollen zu jedem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden!

Als geschützt gilt nur wer:

a)      Masern nachgewiesenermaßen durchgemacht hat (Antikörpernachweis)

b)     2 x nachweislich geimpft ist

 

Nachdem Masern in den letzten Jahren auch in Österreich relativ häufig aufgetreten sind (siehe oben), extrem ansteckungsfähig sind, und gerade bei Infektionen im jungen Alter das Risiko für SSPE besonders hoch ist, sollte man versuchen, entsprechend dem empfohlenen Schema beide  Masern-Impfungen ehestmöglich ab dem 9. Lebensmonat und unbedingt noch vor Vollendung des erstenLebensjahres zu absolvieren. Wird eine Impfung versäumt, soll sie beim nächstmöglichen Arztkontakt nachgeholt werden.

Besonders wichtig ist die Impfung bei Frauen im gebärfähigen Alter – vor einer geplanten Schwangerschaft soll der Immunstatus überprüft werden – („get prepared for pregnancy“!). Dies einerseits zum Schutz der Schwangeren, aber auch, damit das Ungeborene durch die mütterlichen Antikörper einen „Nestschutz“ vermittelt bekommt, der zumindest en paar Monate nach der Geburt anhält. Es ist auch strikt darauf zu achten, dass im Umfeld eines Neugeborenen alle Kontaktpersonen geimpft sind, um damit das Infektionsrisiko für das Kind zu senken bis es einen eigenen Schutz durch die Impfung aufzubauen imstande ist.

 

Die Masern/Mumps/Röteln-Ausbrüche der letzten Jahre in Österreich haben auch eindrucksvoll die fehlende Immunität gegen MMR in der   Altersgruppe der 20 – 35 Jährigen demonstriert, die damalige Impfempfehlung umfasste nur eine MM-Impfung im Kindesalter und nur bei Mädchen eine Rötelnimpfung im 13. Lebensjahr. Dadurch sind in diesem Kollektiv enorme Impflücken vorhanden, man schätzt, dass eine halbe Million Österreicher dadurch unvollständig geimpft sind. . Weiters: Personen der Geburtsjahrgänge  1966

– 1976 haben oft die damals übliche Impfung mit inaktiviertem Masern-Impfstoff als Einzel- oder Kombinationsimpfung (Masern adsorbiert oder Quintovirelon®) erhalten. Diese Personen sollten 2 Dosen MMR-Impfstoff erhalten2.

Erwachsene, die keine Immunität gegen Masern (oder Mumps oder Röteln) haben, sollten sich unbedingt impfen lassen, da diese „Kinder- krankheiten“ im Erwachsenenalter wesentlich bösartiger und komplikationsreicher als bei Kindern verlaufen.

 Die Masern-Impfung ist in jedem Alter möglich. Auf Grund der derzeitigen epidemiologischen Situation (Stand Mai 2018) in Österreich wird die MMR-Impfung derzeit für alle nicht immunen Personen kostenfrei angeboten, und kann über Gesundheitsämter und andere Impfstellen bezogen werden.

Details zur Masern-Impfung sind auch abrufbar unter www.keinemasern.at.

Die Masern-Impfung kann auch als „postexpositionelle“ Impfung gegeben werden: Wird innerhalb von 3 Tagen nach einem erfolgten Kontakt mit einem Masernkranken geimpft, so ist die Chance für eine Unterdrückung des Krankheitsausbruchs hoch.

Schutzrate: Nach einer Impfung (gilt für Mumps und Röteln ebenfalls) etwa 95 %. 5 % Impfversager sind entweder auf schlecht gelagerten Impfstoff oder auf Nichtansprechen der Impfung bei z. B. gleichzeitigen banalen Infekten zurückzuführen. Wegen dieser 5 % Impfversager wird die Impfung 2 x empfohlen.

Schutzdauer: Wenn die Impfung abgeschlossen ist, kann man mit lebenslangem Schutz rechnen (gilt auch im Wesentlichen für Mumps und Röteln).

Nebenwirkungen: Die Masern-Impfung kann etwa eine Woche nach der Gabe zu leichtem Fieber und eventuell sogar zu einem flüchtigen Hau- tausschlag führen („Impfmasern“). Sehr selten auch zu geringfügigen Gelenksschmerzen (zurückzuführen auf die Röteln-Komponente). Thrombozytopenien werden mit 1:30.000 beobachtet, sind aber voll reversibel. Extrem selten kann die Masern-Impfung zu einer postvakzinalen (meist harmlosen) Meningitis führen. Die Wahrscheinlichkeit liegt in der Größenordnung von 1:1.000.000 Geimpfter.

Die Masern-Impfung wurde in der Vergangenheit sehr oft mit Erkrankungen des Zentralnervensystems in Zusammenhang gebracht, so z. B. mit Autismus. Es sei ausdrücklich betont, dass dies nicht den Tatsachen entspricht. Diese Gerüchte entstanden Ende der 1990er Jahre im Lancet publizierte Studie von „Wakefield et al“, die diesbezüglich einen Zusammenhang schilderte. Die Studie wurde jedoch bald zurückgezogen und die Mitautoren haben sich vom Inhalt des Manuskripts distanziert, es stellte sich heraus, dass die Daten nicht der Realität entsprach.

 

Besondere Hinweise – Achtung: Vorsicht bei Personen mit Hühnereiweiß-Allergie! Personen, die eine Beeinträchtigung des Immunsystems haben, Kortison nehmen oder bösartige Erkrankungen haben, sollten bereits vor der Impfung mit einem Fachmann Rücksprache halten (gilt ebenso für Röteln und Mumps). Die Impfung soll in der Schwangerschaft nicht gegeben werden. Passiert dies aber einmal zufällig, so besteht keine Gefahr für die Schwangerschaft, und ein Schwangerschafts-Abbruch ist unsinnig!

Bei fieberhaften Erkrankungen sollte zugewartet werden (vor al- lem weil der Impferfolg beeinträchtigt sein könnte und nicht, weil dadurch die Impfung schlechter verträglich wird).

Der Impfstoff ist temperaturempfindlich und kann innerhalb weniger Stunden bei der Lagerung außerhalb des Kühlschrankes inaktiv werden.

Die Masern-Impfung ist bei Studienaufenthalten in den USA eine Pflichtimpfung.

Für Masern/Mumps/Röteln gilt in gleicher Weise, dass bei einer klinischen Diagnose die „Trefferquote“ nur in einer Größenordnung von etwa 50 % liegt. Anamnestische Angaben, womöglich nur von der Mutter verifiziert, dass das Kind ohnedies „alle Kinderkrankheiten schon gehabt habe“, sollten sehr kritisch hinterfragt werden. Wenn auch nur der leiseste Zweifel besteht darf nicht auf die Impfung verzichtet werden. Impft man jemanden mit dem Dreikomponentenlebend-Impfstoff  und er besitzt gegen eine oder mehrere Komponenten schon eine natürliche Immunität oder eine alte Impfimmunität, so ist eine erneute Impfung völ- lig bedenkenlos: Die bereits vorhandenen Antikörper inaktivieren dann einfach das Impfvirus – genauso, wie es auch geschehen würde, wenn ein Geimpfter Kontakt mit dem Wildvirus hat. Ein „Überimpfen“ bei Ma- sern/Mumps/Röteln ist also unmöglich.

 

Autor: H.Kollaritsch